Bolivien |

Kirche kritisiert TIPNIS-Konsultation

In Bolivien wird weiter kontrovers über die offiziellen Ergebnisse der Volksbefragung über den Bau einer Straße im Indigenen Territorium Nationalpark Isiboro Sécure (TIPNIS) diskutiert. Nachdem die jüngst gegründete »Interinstitutionelle Kommission für die Verteidigung des TIPNIS« aus Katholischer Kirche, Caritas Bolivien und zwei konfessionellen Menschenrechtsorganisationen zu Wochenbeginn einen eigenen Bericht zur TIPNIS-Konsultation vorgestellt hatten, sprach Präsident Evo Morales am Donnerstag von einer »Provokation«.

Die Konsultation in dem Naturpark mit rund 5500 Einwohnern von der Größe der Karibikinsel Jamaika im Herzen Boliviens sei von Regierungsvertretern mit Einschüchterung von Gegnern, ohne Informationen der Befragten über Folgen der Straße für Mensch und Umwelt sowie Erkauf von Zustimmung durch »das Versprechen von Entwicklungsprojekten und Verbesserung bei der Versorgung mit Gesundheit und Bildung« durchgeführt worden, so der Bericht mit dem Untertitel des Johannespsalms »Und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.«

Auf Anfrage von Straßenbaugegnern im Park hatte die Kommission eigenes Personal in 35 von insgesamt 69 TIPNIS-Gemeinden geschickt. 30 hätten sich gegenüber den Kommissionsvertretern gegen den Straßenbau ausgesprochen. Kritisiert wird auch, die Befragung habe »zur Spaltung zwischen den Familien und Gemeinden« im TIPNIS geführt, »es haben nur die Familien teilgenommen, die mit den Versammlungen einverstanden waren«.

Boliviens Minister für öffentliche Bauten bezeichnete den Bericht als »politisch motiviert«. Die Katholische Kirche und Menschenrechtsorganisationen würden Wahlkampf für die sozialdemokratische Oppositionspartei »Bewegung ohne Angst« (MSM) betreiben. Dabei sei die Arbeit der Befragungsteams »lückenlos dokumentiert«, zitiert die Tageszeitung Los Tiempos den Minister. Juan Carlos Pinto, Direktor der für die Befragung zuständigen Behörde SIDFE äußerte Unverständnis über die Vorgehensweise der Kirche. »Sie hätten sich an uns wenden können, wir sind die Verantwortlichen. Auch hinterfragen wir die Tatsache, dass in einer Woche 36 Gemeinden besucht wurden, während wir mehr als drei Monate gebraucht haben«, so Pinto.

»Die Wahrheit tut weh, wenn der Finger in die Wunde gelegt wird, springen die Menschen in die Höhe«, wehrte sich Caritas-Chef Monsignore Jesús Juárez. Laut Protokoll der staatlichen Befragungsteams nahmen 58 (82 Prozent) der 69 indigenen Gemeinden im Amazonasgebiet an der Befragung teil. Davon hätten 55 Gemeinden (79 Prozent) für das Infrastruktur-Vorhaben gestimmt. Elf Gemeinden (16 Prozent) hatten aus Protest nicht an der Konsultation teilgenommen. Derzeit prüft Bolivien Oberstes Wahlgericht den Abschlussbericht zur Konsultation. Auch die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) will ein eigenes Papier erarbeiten. (bb)