Venezuela |

Kirche kämpft weiter gegen Versorgungsmangel

Armenspeisung in Venezuela: Frauen kochen ehrenamtlich für Bedürftige Mittagessen. Foto: Adveniat/Florian Kopp

In der Pfarrei Divina Providencia in El Piñal, Venezuela, kochen Ehrenamtliche jeden Mittag für Bedürftige ein warmes Essen. Foto: Adveniat/Florian Kopp

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro kündigt eine Offensive der blauen Tanklastwagen an. Mit den LKW soll die Lücke geschlossen werden, die der Stromausfall in die Trinkwasserversorgung des Landes gerissen hat. Weil vielerorts elektrische Pumpen für die Wasserversorgung verantwortlich sind, war auch das Trinkwassernetz vom Stromausfall betroffen. Nach einer knapp einwöchigen Unterbrechung ist die Stromversorgung in Venezuela laut Regierungsangaben am Donnerstag, 14. März 2019, landesweit wiederhergestellt. Maduro habe nun die Wiederaufnahme von Schulbesuchen und Arbeit verfügt.

Regierungskritischer Journalist wieder auf freiem Fuß

Die sozialistische Regierung macht einen Hackerangriff für den Ausfall des Stromnetzes verantwortlich, gesteuert von den USA und imperialistischen Kräften. Ein prominenter Journalist, der zuvor über die sozialen Netzwerke bedroht wurde, wurde als möglicher Verursacher vorübergehend festgenommen. Nach Protesten von Menschenrechtsorganisationen und Presseverbänden wurde Luis Carlos Díaz aber unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Auch gegen Oppositionsführer Juan Guaidó ermittelt die Staatsanwaltschaft, ihm wird von der Regierung Mittäterschaft vorgeworfen.
Überzeugende Beweise für seine Vorwürfe hat Maduro bislang nicht vorweisen können. Die sollen nun eine internationale Kommission mit Russland, China, Iran - allesamt enge Unterstützer Maduros - liefern. Die Opposition stellt derweil Videos ins Netz, die den dramatischen Verfall der Strominfrastruktur des Landes beweisen sollen. Bereits vor einigen Wochen warnten Mitarbeiter des betroffenen Wasserkraftwerkes El Guri vor einem möglichen Stromausfall, weil die Anlage nicht sachgerecht gewartet worden sei und Investitionen in die Technik ausgeblieben seien. Andere Videos tauchen auf, in denen die Regierung den Bau von neuen Kraftwerken versprochen hatte. Bis heute wurden diese Anlagen nicht gebaut.

Caritas gibt Lebensmittel und Medikamente aus

Im Land selbst ist die Lage katastrophal. Es kommt zu Massenplünderungen, Ladeninhaber fürchten um ihr Leben sowie ihr Hab und Gut. Kardinal Balthazar Porras, Erzbischof von Caracas, rief seine Landsleute dazu auf, nicht in Hass und Gewalt zu verfallen. Die Wut der Menschen ist überall greifbar - die der Opposition auf die Regierung und die derjenigen, die der Regierung glauben und die Regimekritiker für die Verhältnisse verantwortlich machen. In all dem Chaos versucht die katholische Kirche zumindest ein wenig die Not der Menschen vor Ort zu lindern. Die Caritas, die in den vergangenen Jahren immer wieder auf den katastrophalen Ernährungszustand der Kinder in den Armenvierteln hinwies, hat eine Ausgabestelle für Medikamente und Lebensmittel eingerichtet. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Bischofskonferenz stehen die Menschen in langen Schlangen vor dem Gebäude, berichten lokale Medien. Auch für das Trinkwasser hat die Caritas eine Lösung im Angebot. Sie verteilt Reinigungstabs, mit denen Wasser zu Trinkwasser gemacht werden kann. Immer wieder versuchen die Menschen sogar aus Abwasserkanälen Wasser zu entnehmen, weil die Trinkwasserhähne trocken bleiben.

NGO kritisiert Besuch der UN: "touristische Tour"

Seit Wochenbeginn befindet sich eine Delegation des UN-Menschenrechtskommissariats im Lande. Allerdings dringen kaum Nachrichten von deren Gesprächen an die Öffentlichkeit. Die Unterredungen mit der Regierung als auch der Opposition hätten vertraulichen Charakter, teilten beide Seiten mit. Alfredo Romero, Leiter der angesehenen Nichtregierungsorganisation Foro Penal, übte im sozialen Kurznachrichtendienst Twitter scharfe Kritik. Der Kommission sei der direkte Zugang zu Häftlingen, die sie sprechen wollten, verweigert worden. Zudem hätte es auch keine Möglichkeit gegeben, unter vier Augen mit den Gefangenen zu sprechen. Das alles sei eine "organisierte touristische Tour durch das venezolanische Regime" gewesen, kommentierte Romero am Mittwoch.

Weitere Nachrichten zu: Soziales, Religion