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Kirche fordert umfassende Aufklärung des Gerardi-Attentats

Auf den Tag genau 13 Jahre nach der Ermordung von Weihbischof Juan Gerardi Conedera hat die katholische Kirche in Guatemala Gerechtigkeit und eine umfassende Aufklärung der Gewalttat gefordert. Im Rahmen einer Pressekonferenz anläßlich des Jahrestages der Ermordung erklärte Nery Rodenas, Direktor der Menschenrechtsbüros des Erzbistums von Guatemala-Stadt (ODHA): "Die katholische Kirche erwartet dass die Justiz gegen jeden ermittelt, der an diesem Mord beteiligt war. Es ist wichtig, dass alle Verantwortlichen ermittelt werden."

Gerardi, der Vorsitzende der kirchlichen "Wahrheitskommission" für Guatemala, war in der Nacht zum 26. April 1998 in der Garage seines Pfarrhauses brutal erschlagen worden. Zwei Tage zuvor hatte er der öffentlichkeit die Dokumentation "Guatemala - nie wieder" übergeben. Der Bericht belegte 50.000 von insgesamt geschätzten 200.000 Menschenrechtsverletzungen des 36-jährigen Bürgerkrieges in dem mittelamerikanischen Land. Die meisten werden dem Militär zugeschrieben.

Der Mord an Gerardi ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Bereits in der Vergangenheit hatte Kardinal Rodolfo Quezada Toruno erklärt, solange er die Erzdiözese Guatemala-Stadt leite, werde er eine völlige Sühne des Verbrechens einfordern. Er widersetze sich dem Druck, das Verfahren einzustellen. Es gehe der Kirche nicht um Rache, sondern um Wahrheitsfindung. Die Haupttäter wurden 2001 verurteilt; ein Verfahren gegen 13 Militärs als mutmaßliche Hintermänner ist noch immer anhängig. (TK)