Nicaragua |

Kinderhandel nimmt zu

Die Kinderhilfsorganisation Save the Children hat kürzlich einen Bericht zum Kinderhandel veröffentlicht. Demnach sei die extreme Armut in den ländlichen Gebieten ebenso wie die schlechte Bildung der Kinder ein Grund dafür, dass der Kinderhandel zunehme, erklärte die Beraterin der Organisation, María Antonieta Leiva, gegenüber Pressevertretern. Der Bericht beruht sowohl auf statistischen Daten als auch auf eigenen Erhebungen in den Departments Madriz, Estelí und Rivas.

Die Kinder würden innerhalb des Landes ausgebeutet oder nach Costa Rica, México und in die USA, vor allem aber nach Guatemala und El Salvador gebracht. Kinder, die in die Grenzregionen Nicaraguas gebracht werden, würden nicht zu Hilfsarbeiten herangezogen, sondern sexuell ausgebeutet, so der Bericht.

Familien werden hintergangen

Desinformation und die Komplizenschaft von Anwälten oder Fahrern von Kleinlastern ermöglichten das Agieren der Menschenhändler. Leiva kritisierte, dass es in Nicaragua keine zuverlässigen Erhebungen zum Kinderhandel gebe. Während die Polizei zwischen 2007 und 2010 lediglich 53 Fälle registrierte, hat das Innenministerium 90 Fälle in ihren Karteien. Das Familienministerium habe hingegen fast 1.000 Anzeigen erhalten, so Leiva gegenüber der nicaraguanischen Tageszeitung "El Nuevo Diario".

"Der Modus Operandi der Händler ist Geld, mit dem die potentiellen Opfer geködert werden. Die Menschenhändler nutzen vor allem Schulen und Institute, um dort ihre Arbeitsofferten von gut bezahlten Tätigkeiten innerhalb und außerhalb des Landes bekannt zu machen. Die Kontakte erfolgen durch Familienangehörige, Freunde oder Ausländer, wodurch es einfacher ist zu erreichen, dass sich die Familien verschulden, damit die Opfer reisen können. In diese Prozesse sind Fälscher und skrupellose Anwälte involviert, die sich als Mittelsmänner hergeben“, heißt es in dem Bericht.

Opferhilfe und Sensibilisierung

Die Untersuchung hebt auch staatliche Anstrengungen hervor, durch Schutz- und Sensibilisierungsprogramme, vor allem in Tourismusgebieten, dem Kinderhandel entgegenzuwirken. Zudem gibt es Zentren und Organisationen, die den Opfern Hilfe anbieten, wie etwas Casa Alianza oder die Spezialabteilung für Straftaten gegen Frauen und Kinder

Von den insgesamt 5,2 Mio. Einwohnern Nicaraguas sind 52 Prozent Frauen. Mehr als die Hälfte von ihnen ist jünger als 18 Jahre. Der Bericht ist Teil der Arbeit des „Nationalen Bündnisses gegen Kinderarbeit“, das gegenwärtig einen strategischen Aktionsplan erarbeitet, um den Kinderhandel wirksam zu bekämpfen. (bh)