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Kinderarbeit in Brasilien: 261 Todesfälle in zehn Jahren

Kinderarbeit ist in Brasilien ein Tabuthema. Eine jetzt veröffentlichte Statistik belegt, dass viele Kinder bei der Arbeit ums Leben kommen.

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In Santa Luzia, Brasilien, kommt ein Junge mit Maniok-Wurzeln vom Feld zurück. Archivfoto: Adveniat/Jürgen Escher

Im Zeitraum von 2007 bis 2018 starben 261 Kinder und Jugendliche bei der Arbeit. Diese Zahl hat das Informationsportal des braslianischen  Gesundheitsministeriums (Sinan) bekannt gegeben. Im gleichen Zeitraum kam es zu 43.777 Arbeitsunfällen von Kindern und Jugendlichen im Alter von 5 bis 17 Jahren. 

Sieben von zehn arbeitenden Kindern sind afrobrasilianischer Herkunft

Nach Ansicht des Portals „Brasil de Fato“ stecken Brasiliens Regierung und viele Unternehmen beim Thema Kinderarbeit den Kopf in den Sand. Die Realität werde einfach nicht zur Kenntnis genommen. Zu dieser gehört auch, dass von zehn arbeitenden Kindern in Brasilien durchschnittlich circa sieben afrobrasilianischer Herkunft sind. „Brasil de Fato“ schreibt, dass die Regierung seit drei Jahren keine aktuellen Zahlen zur Kinderarbeit veröffentliche. Die letzten Zahlen stammten aus dem Jahr 2016 und wurden 2017 verbreitet. Dadurch sei es schwierig, das Thema Kinderarbeit politisch anzupacken. Aktuell sei die Vorstellung der Daten für die Jahre 2017 und 2018 für Juni 2020 geplant – ein Aufschub um ein komplettes Jahr. 

Kinderarbeit in der Nahrungsmittel- und der Bekleidungsbranche 

Das Verbergen von Informationen zur Kinderarbeit habe zur Folge, dass die Täter faktisch geschützt würden. In vielen Fällen handele es sich um Großunternehmen, die Kinder ausnutzten. Es sei höchste Zeit, diese Menschenrechtsverletzung in Brasilien auf die Tagesordnung zu setzen. Aber nur wenige hätten hierzu den Mut, weil zahlreiche Interessen im Spiel seien. Kinder stellten für wichtige Sektoren der brasilianischen Wirtschaft billige Arbeitskräfte dar. Vor allem in den Branchen Nahrungsmittel, Bekleidung, Tabakwaren sowie im Baugewerbe. 

Unfälle haben auch Amputationen zur Folge 

Der Bekämpfung der Kinderarbeit in Brasilien widmet sich das Fórum Nacional de Prevenção e Erradicação do Trabalho Infantil (FNPETI). Aus dessen Daten geht hervor, dass es bei Kinderarbeit immer wieder zu schweren Unfällen kommt, die in manchen Fällen sogar Amputationen und lebenslange Traumata zur Folge haben. Bei den bekannt gewordenen Fällen handelt es sich vermutlich jedoch nur um die Spitze eines Eisbergs. So erfasst de Statistik keine Unfälle und Todesfälle, denen kein Zusammenhang mit der Arbeit  zugeschrieben wird.

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