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Kinder als Handlanger für das organisierte Verbrechen

Das Netzwerk für Kinderrechte in Mexiko (Redim) hat sich öffentlich gegen das organisierte Verbrechen gewandt. Eine neue Form der Ausbeutung von Jugendlichen sei zu beobachten, bei der Minderjährige zur Ausführung von Straftaten rekrutiert würden.

Die kriminellen Vereinigungen “beschränken sich darauf, die Jugendlichen für ihre Aktionen zu benutzen. Danach sind sie überflüssig” für die Organisationen, erklärte der Direktor der Organisation, Juan Martín Pérez García, in einer Pressekonferenz. Allein im sechsten Amtsjahr von Präsident Felipe Calderón seien 3.000 Jugendliche von den Bundesbehörden wegen Drogenhandel und Entführung verhaftet worden.

Gleichzeitig hätte der Kampf gegen das organisierte Verbrechen einen hohen Tribut im Leben der Kinder und Jugendlichen gefordert, betonte Pérez García während seiner Präsentation des Jahresberichts 2010 zur Situation von Kindern. “In einigen Bundesstaaten erhalten die Heranwachsenden regelrecht Unterricht darin, wie auf bewaffnete Konflikte zu reagieren sei. Aber selbst das“, schlussfolgerte García, „ist schon so zum Alltag geworden, als befänden wir uns im Kolumbien der 80er Jahre.“

Stigmatisierung von „El Ponchis“

In Städten wie Villas de Salvácar und Horizonte del Sur (im Bundesstaat Chihuahua) oder Pueblo Nuevo (Durango) hätten die Jugendlichen als Zielscheibe für Massaker herhalten müssen. Besonders besorgniserregend hierbei sei laut Redim, dass offizielle Daten fehlen. Letztere würden dazu beitragen, die konkreten Auswirkungen der Situation auf die Bevölkerung und die Zahl der Fälle von Straflosigkeit besser einschätzen zu können.

Redim betonte, der Fall von Edgar “El Ponchis”, einem 14-jährigen Auftragsmörder, zeige die Stigmatisierung, mit der staatliche Behörden solche Kinder und Jugendliche versehen würden. Das bedeute einen Rückschritt, und zwar nicht nur in Bezug auf die schon “gewonnenen Rechte” von Kindern und Jugendlichen, sondern vor allem, was den Grundsatz der Nichtdiskriminierung betreffe.

Viel Armut – wenig Perspektiven

In diesem Kontext kam Peréz García auch auf das Thema Armut zu sprechen. Sechs von zehn Personen, die unter die in Mexiko unterhalb der Armutsgrenze leben, seien Jugendliche unter 18 Jahren: “Ein Großteil der Probleme, deren sich die Kinder ausgesetzt sehen, sind struktureller Natur. Was ihnen fehlt, ist eine Perspektive im Leben.”, bedauerte Peréz García. Seinem Urteil zufolge seien für das Jahr 2010 jedoch keine strukturellen Veränderungen zu verzeichnen, die sich positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung hätte auswirken können.

Er wies darauf hin, dass die Verantwortlichen für den Brand in der Kindertagesstädte ABC im Jahr 2009 noch immer nicht zur Rechenschaft gezogen worden seien. Auch was die Verteilung der so genannten. “comida chatarra” in den öffentlichen Erziehungseinrichtungen anbelange, sei kein Fortschritt zu beobachten. Nach wie vor würden extrem fett- und zuckerhaltige Snacks an Schüler ausgegeben. In beiden Fällen, so Peréz García, seien der Schutz hoher Funktionäre und die Interessenwahrung großer Firmenkonzerne wichtiger als die Bedürfnisse der Jugendlichen gewesen.

Autorin: Estephanye Reyes (poonal)