Peru |

Keine grüne überraschung im Wahlkampf

Im Gegensatz zu Brasilien und Kolumbien sind „grüne Themen“ in Peru kaum ein Thema. Dabei ist das Land ganz besonders vom Klimawandel und den negativen Folgen des ungezügelten Abbaus natürlicher Ressourcen betroffen.

Wenn ein Volk um die Tücken der Natur weiß, dann sollten es die Peruaner sein: Erdstöße und Erdbeben gehören zum Alltag; alle paar Jahre wird die Küstenregion vom Klimaphänomen des „Niño“ heimgesucht, und auf 4000 Meter sterben jedes Jahr Kleinkinder ob einer Kältewelle.

In Peru stehen 70 Prozent der Tropengletscher, die am Abschmelzen sind. Und entweder es fällt zuviel Regen, wie jetzt gerade im Amazonasgebiet, wo Teile unter Wasser stehen. Oder es herrscht Trockenheit und nicht mal die heimischen Schamanan vermögen den Regen herbeizubeten, wie jetzt gerade in den nördlichen Küstengebieten.

„Aufgrund seiner geographische Gegebenheiten gehört Peru zu den Ländern, die am meisten vom Klimawandel betroffen sind“, sagt Rocío Valdeavellano von der Bürgerbewegung „Mocicc“, die sich mit den Folgen des Klimwandels auseinandersetzt.

Keine Stimmen zu gewinnen

Bei den am Sonntag stattfindenden Präsidentschaftswahlen ist der Klimawandel dennoch kein Thema. „Die Kandidaten sehen, dass es ein komplexes Thema ist, mit dem sie keine Stimmen gewinnen können“, erklärt Valdeavellano das Fehlen der Umweltpolitik in der öffentlichen Debatte. Zwar hätten die Präsidentschaftskandidaten diesbezüglich ein paar Vorschläge in ihr Wahlprogramm aufgenommen, wie die Wasserbewirtschaftung nach Einzugsgebieten. „Aber darüber, ob sie deswegen Bergbaukonzessionen in Quellgebieten aussetzen, haben sie nichts gesagt“, moniert Valdeavellano.

Bewegung „Tierra y Libertad“

Eine grüne Überraschung wie letztes Jahr bei den Präsidentschaftswahlen in Brasilien, als Marina Silva viele Stimmen bei der jungen urbanen Mittelschicht holte, wird in Peru wohl ausbleiben. Die politische Bewegung, die im peruanischen Parteienspektrum am ehesten als Grüne Partei in Frage kommen würde, ist die Bewegung „Tierra y Libertad“ . Ihr Präsident Marco Arana ist ein bekannter Bergbaukritiker und Umweltpolitiker. Letztes Jahr hat er für sein Engagement den Aachener Friedenspreis verliehen bekommen. Für die Registrierung seiner Gruppierung als politische Partei in Peru hat es jedoch nicht gereicht. Nachdem sich ein geplantes Wahlbündnis mit einer linken Partei zerschlagen hatte, erreichte „Tierra y Libertad“ nicht die erforderliche Zahl an Unterschriften, um mit einer eigenen Kandidatenliste am Wahlkampf teilnehmen zu können.

„Reichtümer nur rausholen“

Marco Aranas Sicht auf die umweltpolitischen Vorschläge der antretenden Kandidaten fällt nüchtern aus. „ Alle vertreten die Position, dass Peru ein reiches Bergbauland ist und man die Reichtümer nur rausholen muss“. Auch fehle es an institutionellen Mechanismen. Das vor zwei Jahren gegründete Umweltministerium sei schwach. Die Medien würden das ihre dazu tun, in dem sie nur punktuell über Naturkatastrophen berichten, aber ansonsten Umweltthemen außen vor ließen.

Keine Politische Plattform

„Es gibt zwar zunehmend Umweltgruppen in Peru, die sich lokaler Anliegen annehmen, aber sie haben noch keine nationale politische Plattform, und machen sich deshalb in gewaltsamen Zusammenstößen Luft“, analysiert Arana. Während er spricht, wartet er auf einen Anruf aus Mollendo im Süden Perus, wo der Protest der Bewohner gegen ein geplantes Kupferbergwerk soeben drei Menschenleben gekostet hat.

Rocío Valdeavellano von „Mocicc“, der Bürgerbewegung zum Klimawandel, sieht das ähnlich, die vorhandenen Gruppen seien nicht politisch vernetzt. Dennoch macht sie in der Stadt ein zunehmendes Interesse bei jungen Leuten an Umweltfragen aus. Nicht zuletzt zeigt sich das an der Kampagne „A votar en bici“, die von „Mocicc“ mitgetragen wird. Die Bürger, so der Aufruf, sollen ihr Auto zu Hause lassen und mit dem Fahrrad zum Wahllokal fahren.

Autorin: Hildegard Willer, Lima