Chile |

Keine Anklage im Fall der 33 verschütteten Bergleute

Die Staatsanwaltschaft von Atacama hat ohne Anklage zu erheben am gestrigen Donnerstag den Fall der im Jahr 2010 in der Mine von San José verschütteten 33 Bergleute geschlossen, berichtet die Nachrichtenagentur TeleSur. Es „gab keinen Anlass, eine Anklage bezüglich des untersuchten Sachverhalts einzuleiten“ und man habe keine Beweise gegen den Betreiber „gefunden“, so Staatsanwalt Héctor Mella Farías. Die Untersuchungen gegen den staatlichen Bergbau- und Geologie-Dienst (Sernageomin) und die Betreiber der Mine, Alejandro Bohn und Marcelo Kemeny von der Firma „San Estaban“, würden deshalb eingestellt, so das Innenministerium.

Am 5. August 2010 waren in der Mine San José 33 Bergleute in rund 700 Meter verschüttet worden. Sie wurden in einer spektakulären Rettungsaktion, mit enormem technischen Aufwand, nach 69 Tagen befreit. Der Fall hatte weltweit für großes Aufsehen gesorgt.

Zu wenig Inspektoren bei Sernageomin

Nach dem Unglück hatten Angehörige der verschütteten Bergleute moniert, dass die Mine nicht hätte wieder eröffnet werden dürfen, weil ein entsprechendes Sicherheitssystem gefehlt habe. Sernageomin hätte angesichts dieser Situation den Betrieb verbieten müssen, so die Kritik von Gewerkschaften und Angehörigen.

Das Zentrum für Presserecherchen (Ciper) berichtet, dass die Sernageomin zum Zeitpunkt des Unglücks nur über drei Inspektoren für die Atacama-Region verfügt habe. Obwohl es innerhalb von sieben Jahren zwei tödlich verunglückte Arbeiter, zwei Amputierte und 36 Verletzte in der Mine gegeben hat, habe die Behörde nicht reagiert. Eine Untersuchungskommission des chilenischen Parlaments hatte 2011 festgestellt, dass die Besitzer der Mine eine Verantwortung für das Unglück tragen.

Unglücksursache nicht zweifelsfrei ermittelbar

Staatsanwalt Mella begründete die Entscheidung des Gerichts laut der chilenischen Tageszeitung „La Tercera“ damit, dass man die Ursache des Unglücks nicht habe sicher feststellen können, da die Sernageomin die Unglückstelle nicht habe untersuchen können. Der Rettungsschacht war nach der Bergung der Minenarbeiter verschlossen worden.

Die Entscheidung des Gerichts löste Ärger und Betroffenheit aus. Bergbauminister Laurence Golborne erklärte, er „bedauere die Entscheidung des Gerichts“. Gerettete Bergarbeiter kritisierten den Schritt. Renato Prenafeta, Anwalt von 31 geretteten Bergarbeitern kündigte an, die Einstellung der Ermittlungen prüfen zu wollen. Prenafeta vertritt die Bergleute auch in einem weiteren Verfahren. Dort geht es um eine Schadensersatzklage von umgerechnet 11,7 Mio. Euro. (bh)