Haiti |

Kein Zugang zu Gesundheitsversorgung

Die 300.000 Frauen und Mädchen, die seit dem Erdbeben vom Januar 2010 in Notunterkünften leben, haben trotz umfassender kostenloser Angebote kaum Zugang zu notwendiger medizinischer Versorgung. Dies geht aus einem Bericht hervor, den die Organisation Human Rights Watch am Dienstag veröffentlichte. Vor allem die Maßnahmen, die zur Senkung von Kinder- und Müttersterblichkeit beitragen sollen, können von den Betroffenen auf Grund mangelnder Infrastruktur und schlechter Informationsverbreitung kaum wahrgenommen werden, heißt es in der Studie mit dem Titel „Nobody Remembers Us: Failure to Protect Women’s and Girls’ Right to Health and Security in Post-Earthquake Haiti“. Außerdem kann ein Großteil der weiblichen Erdbebenopfer die Transportkosten nicht aufbringen, um die entsprechende medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen.

Geburten ohne medizinische Versorgung

Human Rights Watch hat mehr als 100 Frauen und Mädchen in 15 Notlagern interviewt, die seit dem Erdbeben schwanger geworden sind. Viele von ihnen haben ihre Kinder auf dem Fußboden ohne jegliche medizinische Versorgung zur Welt gebracht. „Mit knapp 260 Millionen US-Dollar Budget für das Aufbauen einer adäquaten medizinischen Infrastruktur nach dem Erdbeben sollte keine Frau ihr Kind auf der Straße zur Welt bringen müssen“, so der Direktor von Human Rights Watch Kenneth Roth. Koordinationsprobleme zwischen den einzelnen Nichtregierungsorganisationen und mangelnde Datenerfassung erschweren die Situation zusätzlich.

Sexuelle Übergriffe nehmen zu

Die prekäre Lebenssituation vieler Haitianerinnen führe ferner dazu, dass sie sich für Essen oder Geld prostituieren. Die hohe Verwundbarkeit der Frauen und Mädchen werde weiterhin durch die Gefahr von Vergewaltigungen gesteigert, heißt es in dem Bericht. Neben den psychischen Traumata, die viele der Frauen erleiden, führe dies zu ungewollten Schwangerschaften und erhöhe das Risiko sich mit einer sexuell übertragbaren Krankheit anzustecken. Roth forderte sowohl die haitianische Regierung als auch alle Organisationen vor Ort dazu auf, Frauen und Mädchen gemeinsam den Schutz zukommen zu lassen, der ihnen gebührt. (aj)