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Katholische Bischöfe kritisieren Bergbau

Patagoniens Bischöfe schlagen Alarm: In einer gemeinsamen Botschaft an die argentinische Regierung von Staatspräsidentin Christina Kirchner drücken sieben Oberhirten aus der einzigartigen Naturlandschaft Südamerikas ihre Sorge um die Umwelt aus. Ihre Kritik richtet sich vor allem an multinationale Bergbau- und Minenbetreiber, die Techniken anwenden, "die in entwickelten Ländern der sogenannten Ersten Welt nicht erlaubt sind", heißt es in dem Dokument. Diese Unternehmen hinterließen eine Schneise der Verwüstung. Leere Dörfer, zerschundene Berge, zerstörte Natur und kontaminierte Flüsse seien das Ergebnis einer rücksichtslosen Abbaupolitik.

Grundsätzlich aber sprechen sich die Bischöfe nicht gegen den Bergbau aus: Wie die Fischerei sei die Arbeit in einer Mine und für ein Bergbauunternehmen eine ehrenwerte und würdige Arbeit. Allerdings müsse gewährleistet sein, dass die Natur geschützt und nicht vergiftet werde.

Die argentinischen Bischöfe reihen sich damit ein in eine Schar von Bergbau-Kritikern in der Kirche Lateinamerikas. Erst vor wenigen Wochen berichtete das katholische Hilfswerk Misereor unter Berufung auf Menschenrechtsaktivisten, einerseits würden Demonstrationen gegen den Bergbau immer erfolgreicher, andererseits die Protestierer zunehmend kriminalisiert.

Deutsche Energiekonzerne in der Kritik

Entwicklungsorganisationen werfen unterdessen den großen deutschen Energiekonzernen eine Mitschuld an Menschenrechtsverletzungen in Lateinamerika vor. Die Selbstverpflichtungen zur Achtung der Menschenrechte hielten viele lokale Bergbauunternehmen, die etwa den deutschen Energiekonzernen Kohle lieferten, nicht ein, kritisiert die Menschenrechtsorganisation FIAN.

Vor allem in Kolumbien werden Arbeitsbedingungen und Umweltauflagen immer noch unzureichend beachtet. "Der Bergbau in Kolumbien generiert zwar große Gewinne", sagte der Bundesabgeordnete Oliver Krischer (Bundnisgrüne) der Katholischen Nachrichten-Agentur in Bogotá nach einem Besuch der Abbauregion in Nordkolumbien: "Doch davon landet kaum etwas bei den Menschen, die dem Bergbau weichen müssen oder von dessen negativen Auswirkungen wie Lärm, Staub oder Umweltverschmutzungen direkt betroffen sind."

Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen

Die Forderungen der Kirchenvertreter reichen von einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen bis hin zu einem Ende umweltzerstörender Abbaumethoden. Mehr als ein Jahr nach dem weltweit beachteten Grubenunglück um die später geretteten 33 Kumpel in der chilenischen Mine "San Jose" mahnt die Bischofskonferenz des Landes, die versprochenen Maßnahmen zum Schutz der Bergleute endlich umzusetzen.

Umweltschützer und die katholische Kirche in El Salvador liefern sich derweil seit Jahren einen heftigen Streit mit einem internationalen Bergbaukonzern. Im Kern geht es um eine höchst umstrittene Förderung in einer Goldmine. Kritiker wie die dortige Bischofskonferenz monieren, die dazu notwendige Zyanidlauge zerstöre das sensible ökosystem der Region. Der Konzern "Pacific Rim" verlangt nun nach einem Förderstopp seine Investitionen zurück. Vor wenigen Tagen versammelten sich Vertreter kirchlicher Gruppen, Gewerkschaften, Bauernverbände sowie Umwelt- und Entwicklungsorganisationen in Washington, um gegen die Schadenersatzklage von "Pacific Rim" gegen El Salvador in Höhe von 77 Millionen US-Dollar (Tageskurs 59 Millionen Euro) zu demonstrieren.

Der katholische Priester und Umweltaktivist Marco Arana Zegarra aus Peru, Träger des Aachener Friedenspreises, verlangt dringend ein Umdenken in Lateinamerika: "Man darf nicht Lagunen, Gletscher und Berge zerstören, die als Wasserspeicher für die dörflichen Gemeinschaften dienen, und man darf nicht die Landrechte der indigenen Völker ignorieren. Der Indio im Amazonas ist genauso viel wert wie der Banker oder der Investor."

Autor: Tobias Käufer, KNA

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