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Karibikstaaten fordern Sklaverei-Entschädigung

Das Regionalbündnis Karibische Gemeinschaft (CARICOM) bereitet laut Argentiniens Nachrichtenagentur TELAM ein Treffen vor, um eine Entschädigungsklage gegen Großbritannien, Frankreich und die Niederlande in die Wege zu leiten. Im September werde es in Kingston, der Hauptstadt des Inselstaates St. Vincent und die Grenadinen, ein Treffen geben, um die ehemaligen Ex-Kolonialmächte vor einem Internationalen Gerichtshof auf Entschädigung für Sklaverei und Völkermord zu verklagen.

Ende Juli hatten die 14 CARICOM-Mitglieder eine gemeinsame Entschädigungskommission gegründet. Surinam wird das Anliegen zudem in das südamerikanische Staatenbündnis UNASUR einbringen. Allein eine noch ausstehende Entschuldigung für die historische Schuld reiche nicht aus, die Sklaverei sei mitursächlich für „die endemische Armut und mangelhafte Entwicklung“ in der Region, berichtete die venezolanische Nachrichtenagentur TeleSur über das Vorhaben. Großbritannien habe nach der Unabhängigkeit von Jamaika 1884 eigene Staatsbürger in der Ex-Kolonie im Wert von 307 Millionen US-Dollar entschädigt.

„Unsere Vorfahren aber haben nichts erhalten. Sie erhielten ihre Freiheit und es wurde ihnen gesagt, sie sollten sich alleine helfen“, beklagt Jamaikas Entschädigungsbeauftragte Verene Shepherd. Die Mehrzahl der karibischen Staaten hat eine Bevölkerung, die zu Kolonialzeiten in Schiffen über den sogenannten Atlantischen Dreieckshandel zwischen Europa, Afrika und der Karibik als Sklaven in die Region verschleppt wurde. Das unmenschliche Handelsmodell begann Ende des 17. Jahrhunderts und endete erst mit dem Verbot des Sklavenhandels in England 1807.

In Europa segelten Schiffe mit Schusswaffen, Textilien und Manufakturwaren an die Atlantik-Küste Westafrikas. Hier nahmen sie im Tausch Sklaven entgegen. Anschließend segelte das Sklavenschiff in die Karibik, wo sie an Plantagenbesitzer als Zwangsarbeiter verkauft wurden. Mit diesem Erlös wurden Agrarprodukte wie Zucker, Rum und Baumwolle gekauft, die an Bord zurück nach Europa verschifft wurden. Neben Handelsunternehmen aus Portugal, Holland, England, Frankreich und Deutschland bestimmte die englische Royal African Company den brutalen Menschenhandel. (bb)