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Kampagne gegen Gewalt an Jugendlichen gestartet

Essen/Ipatinga (Br). Zu einer landesweiten Kampagne gegen Gewalt an Jugendlichen hat ein Bündnis brasilianischer Sozialbewegungen aufgerufen. „Es reicht: stoppt die Gewalt und die Tötung von Jugendlichen“ lautet das Motto der Kampagne, die von der brasilianischen Jugendpastoral mit Unterstützung zahlreicher kirchlicher und sozialer Organisationen am vergangenen Sonntag in Ipatinga (Brasilien) ins Leben gerufen wurde. Mit Bildungsveranstaltungen und Treffen im gesamten Land, mit zahlreichen Protestaktionen und einer Medienkampagne will das Bündnis auf den dramatischen Anstieg der Gewalt an und unter Jugendlichen aufmerksam machen. Die Aktion soll 2011 in einem landesweiten Protestmarsch in die Hauptstadt Brasilia münden.

„Wir brauchen einen tiefgreifenden Bewusstseinswandel, um die Gewaltspirale endlich stoppen zu können“, forderte Prälat Bernd Klaschka, Geschäftsführer des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, das zahlreiche an der Kampagne beteiligte Organisationen unterstützt. „Es muss deutlich werden, dass die Jugendlichen in erster Linie Opfer sind: Opfer von Armut, von Chancenlosigkeit, von Ausbeutung und Verwahrlosung, von Gewalt, die sie tagtäglich zuhause und auf der Straße erleben.“ Statt Jugendliche aus bestimmten Stadtvierteln und sozialen Schichten als Kriminelle abzustempeln und wahllos Gewalt anzuwenden, müsse man für faire Bildungs- und Entwicklungschancen sorgen. „Hier ist die gesamte Gesellschaft, die Politik und auch die Kirche gefordert.“

Untersuchungen gehen davon aus, dass allein in den 267 brasilianischen Großstädten zwischen 2006 und 2013 mit mehr als 33.000 getöteten Jugendlichen zwischen zwölf und 18 Jahren zu rechnen ist. Besonders bei den Jugendlichen dunkler Hautfarbe sei die Zunahme der Todesfälle erschreckend, berichtete Norbert Bolte, Adveniat-Referent für Brasilien. „Die Opfer folgen einem klaren Raster: Männlich, jung und überwiegend Afrobrasilianer.“ Die gegenwärtige Debatte um eine Herabsetzung der Strafmündigkeit bei Jugendlichen führe genau in die falsche Richtung. Statt die Ursachen der Gewalt zu beheben, setzten härtere Gesetze nur eine weitere Kriminalisierung der Jugendlichen in Gang. „Wer einmal ein brasilianisches Gefängnis besucht hat, weiß, dass Jugendliche danach für die Gesellschaft verloren sind“, so Bolte.

Text: mib