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Justiz stoppt Kohlekraftwerk mit E.ON-Investitionen

Chiles Justiz hat den Bau eines Mega-Kohlekraftwerkes im Norden des Landes gestoppt. Damit bestätigten die Richter der 3. Kammer des Obersten Gerichtes am Mittwoch ein Urteil vom März 2012. Ein Gericht in Antofagasta hatte die erteilte Umweltlizenz für den Kraftwerksbau und angeschlossenen Seehafen damals für unrechtsmäßig erklärt. Die Investoren des 5-Milliarden-Dollar-Vorhabens, darunter der deutsche Energieriese E.ON, waren daraufhin in Revision gegangen.

»Die angezeigten Unrechtmäßigkeiten sind ein Angriff auf die Verfassungsgemäße Garantie auf ein Leben in einer Umwelt ohne Verschmutzung«, urteilten die Richter. Gegen den Bau des 2100-Megawatt-Kraftwerks »Castilla« hatten die Anwohner der Ortschaft Totoral geklagt. »Wir sind wirklich glücklich«, kommentierte Alvaro Toro, Vertreter der Anwohner von Totoral das jüngste Urteil gegenüber der Tageszeitung »La Tercera«. Die Resolution sei Beleg für die »Illegalität des Central-Castilla-Projektes«, so der Anwalt.

Anwalt rechnet nicht mit neuem Anlauf des Unternehmens

Der Betreiberfirma MPX des brasilianischen Multimillionärs Eike Batista räumte das Gericht die Neuvorlage der Umweltlizenz ein. Dies könnte laut Experten rund zwei Jahre in Anspruch nehmen. »Das System erlaubt einer Person oder einem Unternehmen, das keine günstige Umweltzertifizierung erhalten hat, die Neuvorlage. Ich glaube allerdings nicht, dass das Unternehmen diesen Versuch erneut machen wird. Denn das Kraftwerk-Projekt Castilla ist als umweltgefährdend eingestuft worden, und das wird sich nicht ändern«, so Toros Einschätzung.

Zudem kündigte die Gemeindeverwaltung von Copiapó im betroffenen Gebiet Punta de Cachos die Umwidmung der Bodennutzung an. »In Anbetracht der Möglichkeit, dass das Unternehmen vom Projekt nicht abrücken sollte, werden wir einige Änderungen vornehmen«, erklärte Anwalt Toros. Nach Abschluss der bereits beantragten Umwidmung der Flächennutzungspläne werden auch »belästigende Industrien« verboten.

Nur »unschädliche Industrien« könnten sich dann ansiedeln. Statt schmutzigem Kohlestrom forderten die Anwohner den Ausbau von Solarenergie im sonnenreichen Norden Chiles. Das »Castilla«-Kraftwerk soll vor allem den hohen Energiebedarf der Bergbau- und Kupferindustrie decken. (bb)