Chile |

Jugendliche besetzen Hauptstadt-Schulen

Die Proteste für die Stärkung des öffentlichen Bildungssystems in Chile gehen unvermindert weiter. Zu Wochenbeginn gingen Schüler der Sekundarstufe laut Medienberichten zur friedlichen Besetzung mehrerer kommunaler Schulen in Santiago und dem Rest des Landes über. Nachdem es am 8. August letzter Woche bei einer unangemeldeten Demonstration mit über 5000 Jugendlichen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen war, befanden sich am 13. August allein in der Hauptstadt sechs Bildungseinrichtungen unter Kontrolle der Bildungsprotestler.

Am Morgen des 8. August hatten Schüler das im Stadtzentrum gelegene »Nationale Internat Barros Arana« (INBA) und das »Liceo de Aplicación« besetzt, mit 2200 Schülern eine der besten nicht-privaten Sekundarschulen Chiles. Die Besetzer fordern den Ausbau der öffentlichen und kostenfreien Bildung auf nationaler Ebene anstatt wie bisher unter Obhut der finanzschwachen Gemeinden.

Zu wenig Fortschritte bei Sanierung nach Erdbeben

Zudem gebe es bei der Sanierung einsturzgefährdeter Schulgebäude und Turnhallen nach dem Erdbeben 2010 zu »wenig Fortschritte«, erklärte INBA-Schülersprecher Diego Mellado der Nachrichtenagentur Infolatam. Zwischen Studenten der Universitäten und Schülern bestehe ein »sehr enger Kontakt«, erklärte Studenten-Aktivist Noam Titelman von der »Vereinigung der Katholischen Universität« (FEUC) und einer der Sprecher des Studentendachverbandes CONVECH. »Für uns ist es entscheidend mit einer Stimme zu sprechen«, so Titelman zum Radiosender »Cooperativa«.

Auf die Studentenproteste hatte die Regierung von Präsident Sebastián Piñera mit Angeboten für verbilligte Studienkredite und neuen Stipendienprogrammen reagiert. Derzeit diskutiert der Senat über eine Steuerreform, durch die bis zu einer Milliarde US-Dollar mehr in Bildung fließen soll. »Unser Land ist ein Labor, nur 35 Prozent der Immatrikulierten lernt an öffentlichen Einrichtungen, in der OECD sind es 90 Prozent«, fordert Titelman Strukturreformen. Den Schulbesetzern drohte Santiagos Bürgermeister Pablo Zalaquett derweil mit gewaltsamen Räumungen, dem Entzug von Stipendien und Schulverweisen. (bb)