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Jugend Lateinamerikas - Wenig Zukunftschancen

Ein Großteil der Jugendlichen in Lateinamerika lebt in Armut. Vom wachsenden Reichtum in vielen Ländern kommt bei den meisten wenig an. Die Jugend steht daher im Mittelpunkt der diesjährigen Adveniat-Weihnachtsaktion.

Gelbe Bluse und schwarzer Rock mit traditionellen Stickereien - Eidigili Valiente trägt die Tracht ihres Volkes, der Kuna. Geboren wurde sie auf einer Insel vor der Küste Panamas. Doch schon im Kindesalter zogen die Eltern mit ihr nach Panama-Stadt. Die Familie hoffte auf ein besseres Leben in der Metropole.

Tatsächlich gelang es der heute 23-Jährigen, einen Studienplatz in Psychologie zu bekommen. Doch die Ausbildung ist alles andere als einfach: "Ich bin die einzige Kuna und erlebe viel Diskriminierung", erzählt sie. Ihre Kommilitonen machen sich über sie lustig wegen ihrer Kleidung oder ihres Aussehens. Valiente fand ihren Weg, damit klarzukommen: "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mir Respekt verschaffen kann, wenn ich nur selbstbewusst genug auftrete." Doch nicht alle Kuna-Jugendlichen besitzen diese Charakterstärke: "Ich kenne viele, die dem Alkohol und der Droge verfallen, weil sie keinen Ausweg sehen", so Valiente. Kraft schöpft sie aus ihrer Arbeit in der katholischen Indigenen-Seelsorge. Das vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützte Projekt hilft unter anderem den jungen Kuna, ihre eigene Identität besser kennenzulernen und zu bewahren. Laut Adveniat ist ein Großteil der heute rund 114 Millionen 15- bis 24-Jährigen in Lateinamerika und der Karibik arm geboren und bleibt ein Leben lang benachteiligt. Besonders betroffen sind Schwarze und Indigene sowie junge Frauen. Mit seiner diesjährigen Weihnachtsaktion "Chancen geben - Jugend will Verantwortung" stellt das Hilfswerk daher junge Menschen in den Mittelpunkt.

Jugend hofft auf den Papst

Yithzak Gonzalez Murgas lebt in Colon, einer der ärmsten Städte Panamas. "Das Leben der Jugendlichen hier ist alles andere als einfach", berichtet der 26-Jährige. Colon liegt an der Mündung des Panama-Kanals in den Pazifik. Doch von den Früchten des Wirtschaftswachstums und den Millionensummen, die in der Freihandelszone rund um die international bedeutende Wasserstraße umgeschlagen werden, kommt bei den meisten Jugendlichen nichts an. "Viele sind frustriert; ihnen fehlen Perspektiven. Sie nehmen Drogen oder schließen sich kriminellen Banden an", so Murgas. Murgas engagiert sich ehrenamtlich als Koordinator für die katholische Jugendarbeit auf nationaler Ebene. Er bildet Gruppenleiter aus und initiiert Armenspeisungen und Müllsammelaktionen. Zudem hilft er dabei, den Weltjugendtag im Januar zu organisieren. Rund eine Viertelmillion Jugendliche aus aller Welt werden zum Abschlussgottesdienst in Panama-Stadt erwartet. Nicht nur Murgas setzt große Hoffnungen auf das Treffen: "Papst Franziskus hat bewusst Mittelamerika als Veranstaltungsort für den Weltjugendtag ausgewählt, weil er an die Ränder der Gesellschaft gehen will", erklärt Erzbischof Jose Domingo Ulloa von Panama-Stadt. "Das Treffen wird den jungen Menschen helfen, an ihre Potenziale zu glauben", ist er überzeugt.

Adveniat-Weihnachtsaktion "Chancen geben - Jugend will Verantwortung"

Die Arbeit der Kuna, die Fortbildung der Jugendleiter in Colon und auch der Weltjugendtag selbst - das sind nur drei der von Adveniat unterstützten Initiativen. Insgesamt förderte das Hilfswerk im Geschäftsjahr 2016/17 knapp 2.200 Projekte in Lateinamerika und der Karibik mit insgesamt rund 38 Millionen Euro. Die Weihnachtskollekte - seit Jahren leicht rückläufig - macht weiter einen Großteil der Einnahmen aus. 2016 erbrachte sie rund 24,8 Millionen Euro. Auch in diesem Jahr wird sie am 24. und 25. Dezember in allen katholischen Kirchen Deutschlands eingesammelt. Die zentrale Eröffnung der Weihnachtsaktion findet am Sonntag, 2. Dezember 2018, in Wiesbaden statt, in Kooperation mit dem Bistum Limburg. Mitarbeiter lokaler Projekte in Panama, Brasilien, El Salvador und Kolumbien sind in der Adventszeit in Deutschland zu Gast und berichten von ihrer Arbeit. Yithzak Gonzalez Murgas ist einer von ihnen. "Ich freue mich, dass ich der Jugend Panamas und Lateinamerikas eine Stimme geben kann", sagt er. "Ich merke immer wieder, dass ich mit meinem Engagement etwas bewegen kann. Das ist ein tolles Gefühl."

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