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Journalistin erstattet Anzeige

Die in Mexiko-Stadt lebende investigative Journalistin Laura Castellanos hat bei der Spezialstaatsanwaltschaft für Straftaten gegen JournalistInnen FEADP (Fiscalía Especial para la Atención de Delitos contra Periodistas) und der Nationalen Menschenrechtskommission CNDH (Comisión Nacional de los Derechos Humanos) Anzeige wegen Einschüchterung, Drohungen und Belästigungen erstattet. Diese Angriffe auf sie seien Folgen ihrer Veröffentlichungen und richteten sich gegen die Meinungsfreiheit.

In den frühen Morgenstunden des 10. Mai waren Unbekannte in das Haus der Journalistin eingedrungen und hatten ihre Wohnung durchsucht. Castellanos befand sich zum Zeitpunkt des Einbruchs in Paris. „Das war kein gewöhnlicher Einbruch, denn es wurden keine Wertgegenstände mitgenommen“, so Castellanos. Einzig ein neben dem Computer liegendes Notizbuch sei entwendet worden. Der Einbruch sei Teil einer Serie von Akten der Einschüchterung, zu denen das Abhören des Telefons, E-Mail-Eingriffe sowie ihre ständige Überwachung gehörten, heißt es in einer Erklärung der international zum Schutz der Meinungsfreiheit arbeitenden Menschenrechtsorganisation Article 19. Die Organisation übernimmt Castellanos in ihr Schutzprogramm und stellt ihr Anwälte zur Seite.

Jedes Mal, wenn sie in den Medien aufgetreten sei, um eines ihrer Bücher oder die Ergebnisse ihrer Recherchen zu präsentieren, habe es in den darauffolgenden Tagen einen Vorfall bezüglich ihrer Sicherheit gegeben, erklärte die Journalistin gegenüber Article 19. Es sei ihr bewusst, dass es darum gehe, sie einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen. „Seitdem ich mich dafür entschieden habe, meine Arbeit fortzusetzen, beunruhigt mich vor allem, dass jeder neuerliche Akt der Einschüchterung einen Schritt weiter geht“, so Castellanos.

Die Journalistin arbeitet seit mehr als 20 Jahren freiberuflich vor allem zu Themen wie radikale Bewegungen, bewaffnete Gruppen sowie zu Frauenrechten und indigenen Rechten. Sie war die erste Journalistin, die Aussagen eines Militärangehörigen zu den gravierenden Menschenrechtsverletzungen der 1970er und 1980er Jahre während des so genannten „Schmutzigen Krieges“, mit Klarnamen veröffentlichte. Gegenwärtig ist sie für die Zeitschrift „Gatopardo“ tätig.

Castellanos ist u. a. Autorin zweier Bücher. „Kassensturz“ (im Original: Corte de caja), enthält ein ausführliches Interview mit Subcomandante Marcos, dem militärischen Anführer der Zapatistischen Armee zur Nationalen Befreiung EZLN (Ejercito Zapatista de Liberación Nacional), die vor allem im Südosten Mexikos agiert. In dem Buch „México Armado: 1943-1982“ (Bewaffnetes Mexiko: 1943-1982) beschäftigt sie sich mit der Radikalisierung politischer Gruppen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Article 19 rief den mexikanischen Staat dazu auf, die Journalisten zu schützen, vor allem, wenn diese grundlegende Informationen verbreiten. Die Organisation mahnte außerdem an, Angehörige der Armee und GeheimdienstmitarbeiterInnen weiterzubilden, damit das Rechts auf Meinungsfreiheit gewahrt werde. Laut eines Berichts der Organisation Article 19 wurden 65,5 Prozent aller Angriffe auf JournalistInnen von Staatsbediensteten getätigt, wovon 28 Prozent von Militärs und Polizei verübt wurden.

Quelle: pulsár in Poonal.