Chile |

Jedes vierte Kleinkind wächst in Armut auf

Anlässlich des „Tag des Kindes“ hat das Ministerium für soziale Entwicklung in Chile auf die hohe Kinderarmut im Land verwiesen. Laut Daten des im Juli 2012 veröffentlichten sozioökonomischen Panels (Casen) stieg die Kinderarmut im vergangenen Jahr auf 22,8 Prozent leicht an.

Fast eine Million Kinder wachsen demnach in Armut auf, jedes vierte Kind unter drei Jahren ist davon betroffen. Rund 472.000 Kinder leben in extremer Armut. Insgesamt ist die Armut in Chile mit 14,4 Prozent im Jahr 2011 jedoch leicht zurückgegangen gegenüber 15,1 Prozent im Jahr 2009, wie die chilenische Tageszeitung „La Tercera“ berichtet.

Joaquín Lavín, Minister für soziale Entwicklung sprach angesichts dieses Trends von einem Paradoxon, dass „es nicht geben darf. Denn es gibt immer weniger Kinder und wir müssen uns besser um sie kümmern“, zitiert die Nachrichtenagentur TeleSur den Minister. Gegenüber 1990 sei die chilenische Bevölkerung um fast vier Millionen Einwohner angewachsen, die Zahl der Kinder sei jedoch um 165.000 gesunken. Aufgrund des Geburtenrückganges wird erwartet, dass die Zahl der älteren Erwachsenen im Jahr 2025 erstmals die Zahl der unter 15-Jährigen übersteigt, so Lavín weiter.

Indigene Kinder mit höherem Armutsrisiko

Die Armut ist größer, wo Minderjährige einem Haushalt vorstehen. Dort liegt sie bei 18,3 Prozent, gegenüber dem Durchschnittswert von 5,4 Prozent. Vor allem in den stark von Mapuche-Indigenen bewohnten Provinzen Araucanía (32,9 Prozent) und Biobío (30,8 Prozent) ist die Kinderarmut überdurchschnittlich hoch. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam Ende 2011 auch eine Studie des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF. „Die Zugehörigkeit zur indigenen Bevölkerung bedeutet für Kinder und Jugendliche ein größeres Risiko“, heißt es dort. Rund 23 Prozent der indigenen Kinder wachsen demzufolge in Armut auf. UNICEF hatte Daten aus den Jahren 1996 und 2009 verglichen.

Als problematisch wertete Lavín auch die Zunahme von übergewichtigen Kindern. Unter den 20 Prozent ärmsten Kindern haben laut Casen-Umfrage 44 Prozent Übergewicht. „Das ist ein ernstes Problem, das wir nicht haben stoppen können“, so der Minister, der das Problem auf falsche Ernährung zurückführte. (bh)