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Jaguar vom Aussterben bedroht

Die Jagd auf den Jaguar wurde in Brasilien bereits in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts verboten. Der Tiermediziner Ronaldo Gonçalves Morato spricht über die Bedrohung einer Art, deren einst entlegene Lebensräume längst keinen Schutz mehr bieten.

Ronaldo Gonçalves Morato ist Chef des Nationalen Zentrums für Erforschung und Schutz von fleischfressenden Säugetieren des Instituts Chico Mendes für Biodiversität, das dem brasilianischen Umweltministerium zugeordnet ist.

Warum ist der Jaguar in Brasilien vom Aussterben bedroht?

Die wichtigsten Gründe sind der Verlust und die Fragmentierung seines Lebensraumes sowie die Jagd. Eine große Rolle spielt hierbei die Ausweitung wirtschaftlicher Aktivitäten und der damit verbundene Aufbau von Infrastruktur. Jagd auf den Jaguar wird vor allem aus Vergeltung gemacht, wenn Tiere Herden angegriffen haben, Rinder oder Ziegen beispielsweise.

Was macht die Beobachtung des Jaguars so schwierig?

Es handelt sich um Tiere, die in geringer Dichte in unwirtlichen Gegenden leben. Das erhöht die Kosten einer Expedition. Die Arbeitsbedingungen sind mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Es kann schon mal fünf Tage dauern, die notwendige Ausrüstung und Wasser an den entsprechenden Ort zu transportieren. Außerdem gibt es dort kein Licht, kein Telefon und keine Dusche. Einfach keinerlei Komfort.

Wie sieht das Projekt der Schaffung eines Korridors zum Schutz des Jaguars und der Tierwelt in halbtrockenen Gebieten Brasiliens aus?

Jaguare benötigen große Räume, um zu überleben. Wir glauben, dass wir, indem wir die Bedingungen für die Aufrechterhaltung einer überlebensfähigen Population schaffen, gleichzeitig alle anderen Tierarten stützen, die den gleichen Lebensraum nutzen. Dabei berücksichtigen wir auch die sozioökonomischen Besonderheiten der Region, in diesem Fall des Sertão im Nordosten Brasiliens. Dessen soziale und kulturelle Werte sollen erhalten werden.

Die Caatinga ist eine Landschaft des Sertão, die mehr als doppelt so groß ist wie Deutschland. Welches sind ihre größten Umweltprobleme?

Meiner Meinung nach besteht das größte Problem darin zu denken, dass es in der Caatinga einfach gar nichts gibt. Im Gegenteil findet man eine unglaubliche Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten, von denen viele ausschließlich dort vorkommen. Die Unkenntnis führt dazu, dass zum Beispiel wild abgeholzt wird, unter anderem um Kohle zu gewinnen.

Die Agrarlobby hat ein neues Waldgesetz durch das Abgeordnetenhaus gebracht. Bedroht die dadurch mögliche Verringerung von Schutzgebieten auch den Lebensraum des Jaguars?

Alle Umweltforscher sind ziemlich besorgt. Ohne Zweifel wird diese Entscheidung eine nicht abzusehende Zahl von Tierarten betreffen, nicht nur den Jaguar. Zum Glück muss das Ganze noch durch den Senat gehen. Wir hoffen, dass dieser den Text genauestens überprüft, dem das brasilianische Abgeordnetenhaus zugestimmt hat.

Quelle: Adital, deutsche Bearbeitung: Bernd Stößel

Zusätzliche Informationen zum neuen Waldgesetz in Brasilien unter planten.de