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Interview: "Wer einen Kaffee kauft, spendet einen weiteren für Migranten."

Hugo Castro ist Direktor der „Border Angels“ und eröffnete das Café. (Foto: Tobias Käufer)
Hugo Castro ist Direktor der „Border Angels“ und eröffnete das Café. (Foto: Tobias Käufer)

Einen besseren Platz hätte Hugo Castro (47) für sein „Café der Undokumentierten“ nicht finden können. Der gebürtige Kalifornier aus Salinas ist in Mexiko aufgewachsen und ist nun beiderseits der Grenze zu Hause. Wer auf einem der Tische vor dem kleinen hellen Haus am Strand von Tijuana Platz nimmt, hat das riesige Stahlgerüst, das die Stadt im äußersten Nordwesten Mexikos von der Metropolregion San Diego in Kalifornien trennt, direkt im Blick. Hugo Castro ist Direktor der „Border Angels“ (Engel der Grenzen), einer Nichtregierungsorganisation in Tijuana, die Migranten Unterstützung anbietet.

 

Blickpunkt Lateinamerika: Wie erleben Sie die Stimmung in der Stadt nach Ankunft der ersten Migranten aus der Karawane aus Honduras?

 

Castro: „Die Stimmung in der Stadt ist angespannt. Es wird weitere Demonstrationen für und gegen die Migranten geben. Es gibt Rassisten, die Stimmung gegen die Zuwanderer machen. Es gibt Leute, die Angst vor den Migranten haben. Und es gibt Menschen, die den Migranten helfen wollen."

 

Sie haben ein "Café der Undokumentierten" eröffnet. Was hat es damit auf sich?

 

"Die Idee ist simpel: Weil die Grenzbefestigung mit ihren Graffiti und Kunstwerken auf der mexikanischen Seite auch ein Touristentreffpunkt geworden ist, sind wir auf die Idee gekommen. Wer hier einen Kaffee kauft, spendet mindestens einen weiteren für Migranten. Das Café gibt es seit zwei Monaten und soll helfen, Ressourcen für die Migranten zu erwirtschaften. Das Wichtigste, dass die Migranten brauchen ist Lohn und Brot. Wir unterstützen mit dem Café zugleich auch eine Flüchtlingsunterkunft. Und das Café soll auch als Ausbildungsstelle für die Migranten dienen, die einmal in einer Cafeteria arbeiten wollen. Wir hoffen mit dem Café finanziell unabhängig zu werden. Außerdem ist das Café auch ein guter Platz, um die Touristen für die Problematik zu sensibilisieren. Wir planen auch Kulturveranstaltungen."

 

Wie glauben Sie wird sich in den nächsten Tagen die Lage weiterentwickeln?

 

"Das ist schwierig vorauszusehen, auch weil viele Emotionen im Spiel sind. Es ist wichtig, zu verstehen, dass die Migranten nicht zum Spaß hier sind, sondern weil sie aus ihrer Heimat vor Gewalt und Armut geflohen sind. Sie haben einen sehr langen und beschwerlichen Marsch hinter sich und brauchen jetzt erstmal Hilfe."

 

Wie wird das Café angenommen?

„Bis jetzt sehr gut. Es kommen auch Journalisten, die über die Grenze berichten wollen. Aktivisten, die den Migranten helfen wollen. Und natürlich Migranten selbst, denn für die ist ja das Café auch gedacht. Gleich nebenan gibt es eine Unterkunft und unsere Büros von der Bewegung „Engel der Grenzen“.

Interview von Tobias Käufer

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