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Interkulturelle Malaria-Behandlung von Indigenen wichtig

Kulturelle Aspekte spielen bei der Behandlung von Malaria bei Indigenen eine wichtige Rolle. Die Medizin müsse die indigene Kosmovision bei der Behandlung mit einbeziehen. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Instituto Conmemorativo Gorgas de Estudios de la Salud in Comarca Guna.

In Panama haben Forscher in einer ländlichen indigenen Gemeinde mit 4.271 Einwohnern das Auftreten von Malaria untersucht. In den vergangenen fünf Jahren gab es hier im Schnitt jährlich 292 Fälle der Tropenkrankheit.

Die Medizin muss nach Ansicht der Wissenschaftler kulturell geeignete Behandlungsmethoden einsetzen. Hier bestehe ein großes Defizit, urteilt ein in der US-Fachzeitschrift „Malaria Journal“ erschienener Artikel.

Indigene Kosmovision mit einbeziehen

In Panama sind mehr als 85 Prozent der an Malaria Erkrankten Indigene, die auf dem Land leben. Diagnose und Behandlung der Infektionskrankheit, die von einem Parasiten übertragen wird, sind ein gängiger Gegenstand der Tropenmedizin.

Den Forschern zufolge handelt es sich bei der indigenen Kosmovision nicht um eine herkömmliche Krankheit, sondern es bestehen spirituelle, magische und religiöse Bezüge. Malaria ist für Indigene eingebettet in Mythen und die sie umgebende Natur. Dem habe das Gesundheitssystem mit einem interkulturellen Ansatz Rechnung zu tragen. Nur so ließen sich die von den behandelnden Ärzten erhofften Ergebnisse erzielen, heißt es an die Adresse von Panamas Gesundheitsministerium gerichtet.

Sprachbarriere vertieft Distanz zu Schulmedizin

Das untersuchte indigene Volk der Guna reagiert auf den Ausbruch von Malaria auf traditionelle Weise. Ein Medizinmann erlebt in einem Traum, was passieren wird und versammelt die Gemeinde zum Rauchen einer Pfeife. Drei bis fünf Tage lang darf niemand das Gebiet betreten und verlassen. Weitere vier Tage werden dann abgewartet, um die Rauch-Zeremonie wirken zu lassen.

Die Guna haben nicht nur ihre eigene überlieferte Medizin, sondern verfügen auch über sieben Experten für Pflanzenkunde. Der Umgang mit Krankheiten richtet sich nach Schutzgeistern. Der Studie zufolge verschärfen Sprachprobleme die Ablehnung der traditionellen Medizin.

Interkultureller Ansatz für ganz Lateinamerika

In Panama tritt Malaria vor allem in ländlichen, von Indigenen bewohnten Gebieten auf. Diese machen gut ein Drittel der Landesfläche aus, hier leben aber nur 12 Prozent der Gesamtbevölkerung. Aus den Studienergebnissen wurde ein Leitfaden erarbeitet, wie interkulturell mit Krankheiten und Gesundheitsproblemen umgegangen werden sollte gültig für alle indigenen Gemeinden in Lateinamerika.

Die Erklärung und Deutung des Auftretens von Krankheiten auch unter magisch-religiösen Aspekten muss nach Meinung der Anthropologin Flor María Morantes von der Universidad de Los Andes in Bogotá immer mit berücksichtigt werden. Entsprechend gebe es eigenständige indigene Behandlungsmethoden. (bs)

Quelle: Scidev, Autor: Marcelino Rosario, dt. Bearbeitung: Bernd Stößel