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Intag - Entwicklung statt Bergbau

Die Berge sind von üppigem Nebelwald bedeckt. In der unzugänglichen Region Intag, fünf Busstunden nördlich von Quito, leben so viele Arten wie sonst kaum auf der Welt. Doch unter dieser grünen Idylle lagert Kupfer. Dort soll es auch bleiben, sagen die Bewohner und ersannen ein Projekt kleiner Wasserkraftwerke, um ihre Region selbst zu entwickeln.

Im Westzipfel der nördlichen Provinz Imbabura, zwischen den Quellgebieten der Flüsse Intag und Guayllabamba, liegt das Intag-Tal. Rund 600 Quadratkilometer Primärwald, davon 420 Hektar geschützt, befinden sich dort. In der wasserreichen Region liegen die Quellgebiete von 25 Flüssen. Und über allem thront der Vulkan Cotacachi (4939 m).

Auf einer Fläche, die etwa eineinhalb Mal so groß ist wie Berlin, leben rund 17.000 Menschen. Die meisten betreiben Ackerbau und Viehzucht. Die Inteños, wie sich die Bewohner des Gebiets nennen, leben in kleineren Siedlungen oder einzelnen Fincas über das ganze Tal verstreut. „Die Region ist unwegsam und sehr abgelegen, es gab bis vor kurzem nicht einmal Straßen dorthin. Aber das Land ist sehr fruchtbar“, so José Cueva Vera.

Wasserkraft statt Kupferbergbau

Er ist Geschäftsführer der Corporación Toisan. Entwicklung müsse her, denn um Bildung, Gesundheitsversorgung und Infrastruktur sei es schlecht bestellt, sagte er vor etwa 30 Besuchern bei einer Veranstaltung in Berlin. Auch beginne Brandrodung für landwirtschaftliche Flächen sich langsam bergauf in die Nebelwälder zu fressen, was ein ernstes Problem sei.

Cueva ist in Deutschland, um ein Entwicklungsprojekt vorzustellen, das die Bewohner des Tals zusammen mit Experten selbst ersonnen haben: Sie wollen mit acht Kraftwerken ‒ sieben produzieren zwischen einem bis acht Megawatt (MW), eins soll 60 MW liefern ‒ Energie produzieren, die ans staatliche Netz verkauft wird. Die Überschüsse sollen in einen gemeinnützigen Fonds wandern, der zum Erhalt der Natur und der Entwicklung der Region dienen soll.

Erfolgreicher Widerstand gegen 23 Bergbaulizenzen

„Entwicklung um jeden Preis wollen wir jedoch nicht“, stellt Cueva klar. Denn die hätte man auch anders haben können: Unter dem üppigen Bergregenwald liegen Kupfer, Molybdänerz und Gold. Gerade interessiert sich das chilenische Unternehmen Cadelco für die Ausbeutung der Kupfervorräte im Tagebau. Doch anders als in vielen Regionen haben die Bewohner dort den Bergbau noch nie gewollt und bisher alle Unternehmen erfolgreich vertrieben. Gegen 23 illegal erteilte Lizenzen mussten sie ankämpfen.

Vor ein paar Jahren sperrten die Bewohner von Junín Paramilitärs, die von den Minenunternehmen unter Vertrag genommen wurden, so lange in ihre Kirche ein, bis die Regierung endlich handelte. "Das ist eigentlich eine Geiselnahme, ja. Aber wenn man bedenkt, dass wir die Polizei und die Justiz um Hilfe gebeten haben und sie nichts tun, ist es das nicht", sagt ein Bewohner in einem Film von Elisabeth Weydt. Die Deutsche war zufällig vor Ort, als die Auseinandersetzung mit den Paramilitärs begann.

Internationale Unterstützung

Auch der Film „Under Rich Earth - Bajo Suelos Ricos“ des Kanadiers Malcom Rogge dokumentiert den Widerständ der Inteños, die Selbstorganisation und das Suchen nach eigenen Ideen. „Es war uns immer wichtig, dass wir nicht nur gegen den Bergbau sind, sondern dem auch eigene Ideen entgegensetzen zur Entwicklung entgegensetzen", unterstreicht José Cueva.

Es ist auffällig, wie gut die Inteños vernetzt sind: Sie werden von internationalen Organisationen wie „Rettet den Regenwald“ unterstützt, in Deutschland ist der Verein Intag entstanden. Im Jahr 2006 begannen die Gemeinden, sich für die Projektentwicklung zusammenzusetzen. Mit Experten aus Kuba wurden mögliche Standorte für die Kraftwerke erkundet, französische Experten unterstützen die Projektentwicklung.

2 Mio. US-Dollar fehlen noch

Um mit dem ersten Kraftwerk beginnen zu können, fehlen aber doch noch gut zwei Millionen US-Dollar Investitionskosten. Die ecuadorianische Zentralregierung hält sich bisher bedeckt. „Die Lokalregierung unterstützt uns und es ist wichtig, dass wir weitermachen. “, so José Cueva. Denn beides nebeneinander - Kupferbergbau und Wasserkraft - schließt sich aus.

Autorin: Bettina Hoyer