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Inhaftierte Frauen ohne Rechtsbeistand

Um die Bedingungen von 12.000 inhaftierten Frauen zu verbessern, hat die Ombudsstelle des Bundesstaates São Paulo gemeinsam mit dem Frauenministerium Brasiliens das Projekt „Frauen in Haft“ begonnen. In der ersten Phase von Oktober 2010 bis März 2011 wurden fast 6.000 Frauen betreut.

Hintergrund der Maßnahme ist, dass die Situation von Frauen in Gefängnissen besonders prekär ist. Da die Haftanstalten generell für Männer gebaut sind, sind Gefängnisse von vornherein nicht an weibliche Häftlinge angepasst. Einsamkeit und Verlassensein wiegen zudem schwerer auf weiblichen Häftlingen, da sie im Durchschnitt während ihrer Inhaftierung fast nie Besuch von draußen erhalten. Zudem hat nach Angaben des brasilianischen Justizministeriums die Zahl weiblicher Häftlinge um 37 Prozent zugenommen und die meisten haben keinen Rechtsbeistand. Rund sechs Prozent der Inhaftierten sind Frauen.

75 Prozent der Häftlinge ohne Anwalt

Nach Aussagen des Koordinators der Ombudsstelle von São Paulo, Patrick Lemos Cacicedo, sei die Entwicklung des Projekts bisher äußerst positiv verlaufen. Den inhaftierten Frauen würde eine „ganzheitliche“ Fürsorge zuteil, „wir betreuen sie individuell, detailliert und nicht massiv und schnell. Wir sammeln zunächst Informationen zu jedem Fall und kommen anschließend mit Antworten wieder zu den Frauen zurück und erklärten, was wir im Fall jeder einzelnen Inhaftierten machen", so der Koordinator.

Rund 75 Prozent der weiblichen Häftlinge haben beispielsweise keinen Anwalt, weshalb sich ihre Prozesse sehr verzögern. Jede Frau hätte zwar ein Recht auf einen Anwalt, doch der Staat São Paulo wird der Pflicht, einen Anwalt zu stellen, nicht immer gerecht. Die Ombudsstelle des Bundesstaates kann auf 500 Verteidiger zurückgreifen, obwohl 1.700 benötigt würden. Für die Haftanstalten gibt es nur 45 Verteidiger bei insgesamt 176.000 Gefängnisinsassen. Die meisten inhaftierten Frauen sind sehr arm, wegen Drogenhandels in Haft und können sich keinen Anwalt leisten.

Das Projekt der Ombudsstelle werde von den Frauen gut aufgenommen, so der Projektleiter. Die Behörde habe in vielen Fällen Rechtsmittel eingelegt, wodurch die Haftzeit der Frauen sich verkürzen werde.

Die zweite Phase des Projekts beginnt in diesem Monat. (bh)

Quelle: Adital