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Indios intensivieren Protest gegen Staudammprojekt

Mehrere Indiostämme der Amazonasregion haben angekündigt weiter gegen das von der Regierung initiierte Megastaudammprojekt am Xingu-Fluss kämpfen zu wollen. In einem offenen Brief bezeichnen sie Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva als “Feind Nummer Eins der Indios”, wie die Webseite des Indiomissionsrates der katholischen Kirche CIMI informiert. Seit der umstrittenen Durchführung der öffentlichen Ausschreibung des Belo-Monte-Staudammprojektes am 20. April haben die Indios zudem ihre Protestaktionen in der Region intensiviert und Flussfähren und Strassen blockiert.

“Wir sind wütend geworden als wir Lulas Äußerung hörten, dass er Belo Monte auf jeden Fall bauen werde, auch wenn dazu Gewalt nötig sei,” so der von dem Indioführer Megaron Txukarramae stellvertretend für mehrere Stämme unterzeichnete Brief. “Wir sind weder Banditen noch Drogendealer, dass wir eine derartige Behandlung verdienen. Was wir wollen ist die Nicht-Errichtung des Belo-Monte-Staudammes.”

“Wir sehen uns einer Regierung gegenüber, die mit jedem Tag der vergeht zeigt, dass sie gegen die Indios ist,” so der weitere Wortlaut des offenen Briefes. “Lula hat gezeigt dass er der Feind Nummer Eins der Indios ist, und Marcio Meira, der derzeitige Präsident der FUNAI (Indiobehörde), hat bewiesen dass er die Nummer Zwei ist.” Die Indios fühlen sich von der FUNAI in ihrem Kampf gegen Belo Monte alleine gelassen. In den letzten Wochen kam es so zu Protestaktionen vor verschiedenen Büros der Indiobehörde.

“Wir Indios, die wir die ersten Einwohner dieses Landes waren, sind von der Regierung Lula vergessen worden, die unsere Zerstörung will.” Die Indios seien bereit für ihre Sache zu sterben, so der Brief. Der Protest wird von den Kayapo Metuktire Indios angeführt, einem für sein kämpferisches Auftreten bekannten Stammes.

Das Belo Monte Projekt sieht den Bau mehrerer Staudämme entlang des Xingu-Flusses im Bundesstaat Para vor, wobei eine Fläche von 500 Quadratkilometer Urwald überflutet würde. Gleichzeitig würden der Flusslauf verändert und große Gebiete trockengelegt werden. Auch angrenzende Indioreservate wären direkt davon betroffen. Die Regierung schätzt die Baukosten des Projektes auf 8,5 Milliarden Euro, wobei Experten mit wesentlich höheren Kosten rechnen.

Belo Monte soll im Jahre 2015 ans Netz gehen und wäre mit einer maximalen Kapazität von 11,200MW der drittgrößte Staudamm der Welt. Am 20. April war in der Hauptstadt Brasilia nach tagelangem juristischen Tauziehen die öffentliche Ausschreibung für das Projekt abgehalten worden. Dabei kam es zu Konfrontationen zwischen Umweltschützern und Indios auf der einen und der Polizei auf der anderen Seite. Der Protest gegen Belo Monte findet die Unterstützung des Indiomissionsrates CIMI.

Autor: Thomas Milz