Bolivien |

Indigenen-Verband gegen Gen-Saatgut

Die Debatte über gentechnisch verändertes Saatgut bewegt Bolivien. Am Mittwoch forderte der regierungskritische Verband der Hochland-Indigenen CONAMAQ die Durchführung eines Referendums zur umstrittenen Gentechnik auf dem Acker. Auf der gestern zu Ende gegangenen Konferenz »Verteidigung der Mutter Erde ohne Gentech« stellten sich deren Teilnehmer gegen das im Juni von der Regierung verabschiedete Agrargesetz.

»Wie sind die Verteidiger der Natur«, so die Abschiedserklärung des Treffens in der Hauptstadt La Paz, zu dem auch die Landlosenbewegung »Sin Tierra« aus Brasilien angereist war. Für »nachhaltige Entwicklung und den Konsum ökologischer Nahrungsmittel« kündigten die Veranstalter »permanenten Widerstand« an. Artikel 15 und 19 des neuen Landwirtschaftsgesetzes, die unter bestimmten Bedingungen den Gebrauch gentechnisch veränderten Saatgutes erlauben, sollen gestrichen werden.

Boliviens Vizepräsident Álvaro García Linera sprach von einer »Medienattacke rechter Unternehmer«. Der CONAMAQ-Spitze hielt er in einem Schreiben vor, sie hätten sich unter die »ideologische Schirmherrschaft« ausländischer Umwelt-Nichtregierungsorganisationen (NGO) gestellt. »Das Denken, das die Gesellschaft verdrängt« ohne die Rolle des Staates für Wohlstand und soziale Gerechtigkeit zu sehen, hätte auch CONAMAQ »systematisiert und absorbiert«, warf Linera dem Indigenenverband vor. Anfang des Jahres hatte CONAMAQ ein Abwahl-Referendum von Linera gefordert.

Polit-Analysten sehen CONAMAQs Rolle kritisch. In den Volksprotesten gegen die neoliberalen Vorgängerregierungen der aktuellen Morales-Administration habe der Verband »eine marginale Rolle« gespielt, so der ökonom und Journalist Pablo Stefanoni. Ex-Diktator und späterer Präsident Hugo Bánzer (1997 – 2002) habe sich CONAMAQ »untergeordnet« und so einen »multikulturellen Neoliberalismus« ermöglicht, kritisierte Stefanoni deren »mediale Überrepräsentation«. (bb)