Honduras |

Indigenen gelingt Armutsbekämpfung

Die gute Qualität und die Frische ihrer landwirtschaftlichen Produkte hat ihnen sieben Ladenketten als Kunden beschert. Bauern vom Volk der Lenca im Westen von Honduras haben allen Grund stolz auf ich zu sein. Denn mit ihrer nachhaltigen Landwirtschaft haben sie sich den Weg aus der Armut erschlossen und sogar den Nationalen Umweltpreis eingeheimst.

Etwa 1.850 Meter über dem Meeresspiegel im Departement Intibucá liegen die Gebirgsdörfer Monquecagua, Togopala, Dulce Nombre und Candelaria. Hier sind etwa 100 kleinbäuerliche Familien von morgens bis abends mit der Aussaat oder Ernte von Kartoffeln, Möhren, Brokkoli, Salat, Kohl und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen beschäftigt. Auf den Feldern ist immer noch Platz für Mais und Bohnen, den Grundnahrungsmitteln der honduranischen Bevölkerung. In Intibucá leben die ärmsten Ureinwohnergemeinschaften des Landes.

Die Kleinbauern sind vor knapp zwei Jahren in den Handel mit Nahrungsmitteln eingestiegen, ohne ihre traditionellen Anbaumethoden aufzugeben. Der Erfolg ihrer Aktivitäten lässt sie ihre Zukunft mit anderen Augen sehen, wie María Cleofes Méndez aus Togopala berichtet. Stolz zeigt sie ihr neues Haus aus Stein mit einem liebevoll gelegten Mosaikboden. Bis vor kurzem hatte sie noch in einer Hütte aus Lehm, Stroh und Holz gelebt. "Die Erde und die Leute von Pacta, die uns gezeigt haben, wie wir über das ganze Jahr hinweg ernten können, haben mir dieses besondere Geschenk gemacht", erläutert sie. Pacta steht für ´Programa de Acceso de la Tierra´ (Landzugangsprogramm), einem Projekt der UN- Landwirtschaftsorganisation FAO.

Kinder können zur Schule gehen

Wie Cleofes Méndez betont, arbeiten Frauen und Männer Seite an Seite. "Es gibt keine Unterschiede, denn uns allen geht es darum, dass sich unser Dorf entwickelt. Einst lebten wir in Armut. Doch heute lässt sich an unseren Häusern und Einkommen ablesen, wie sehr sich unsere Lage verbessert hat." Der 49-Jährigen zufolge profitieren von dem Projekt auch die Kinder. "Wir investieren in die Bildung unseres Nachwuchses. Schließlich reicht es nicht aus, die Erde zu beackern", sagt sie.

Der Techniker Héctor García arbeitet mit den Indigenen zusammen. Auch er ist ein Lenca und wird von den Kooperativen bezahlt, zu denen sich die Kleinbauern zusammengeschlossen haben. Er gibt sein Wissen – etwa über die Tröpfchenbewässerungsmethode – gern an die Seinen weiter. Es sei schön mit Menschen zusammenzuarbeiten, die die Natur achteten. "Wir Ureinwohner kennen den Wert der Erde."

Die Menschen leben von dem, was der Boden hergibt

Wie García berichtet, leben die Menschen von dem, was die Böden hervorbringen. Sie haben kleine Stauseen angelegt, aus denen sie das Wasser für ihre Felder beziehen. Auf Benzin, etwa für den Betrieb der erforderlichen Wasserpumpen, sind sie nicht angewiesen. Wie der regionale Koordinator des Projekts in Initibucá, Adán Bonilla, erklärt, hat man sich von einer brasilianischen Erfahrung inspirieren lassen: nämlich ein System von Wasserdruckpumpen einzusetzen, die ohne Kraftstoffe auskommen.

Auf diese Weise sparen die Lencas inzwischen die jährlichen Benzinkosten von 40.000 US-Dollar ein. "Sie haben gelernt, die natürlichen Ressourcen optimal und wirtschaftlich zu nutzen", sagt Bonilla. Dank der Tröpfchentechnologie gelange das Wasser direkt an die Wurzeln der Pflanzen, die zudem ohne Kunstdünger auskämen.

Genossenschaftsmitglieder zahlen für Wartung der Pumpen

Wie Salvadora Dominguez berichtet, haben die Einwohner ihres Dorfes Monquecagua drei Monate für den Bau eines Staudamms gebraucht. "Man hat uns beigebracht, wie wir das Stauwasser sauber halten. Jedes Genossenschaftsmitglied zahlt für die Wartung der dafür erforderlichen Schmutzwasserpumpenanlage monatlich 20 Lempira (fast ein US-Dollar)."

In Monquecagua - das Wort bedeutet in der Sprache der Lenca ´Berg aus Wasser´ – liegt die Pumpstation in einem ungastlichen, zugewucherten und nur über kleine Pfade zugänglichen Gebiet. Die Anstrengung, unter diesen schweren Bedingungen aktiv zu werden, hat sich offenbar gelohnt. Ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse werden nun zu einer Lagerhalle der Vereinigung der Obst- und Gemüsezentren von Intibucá (Aprohfi) gebracht, von wo aus sie dann an sieben große Lebensmittelketten ausgeliefert werden. Diese Entwicklung hat uns von Zwischenhändlern unabhängiger gemacht", freut sich Domínguez. "Außerdem sind unsere Produkte von bester Qualität."

Public-Private-Partnership

In der Aprohfi-Lagerhalle werden die Erzeugnisse sortiert und verpackt und in Kühlwagen zu ihren Bestimmungsorten gebracht. "Wir hätten uns nie vorstellen können, so weit zu kommen", sagt der Aprohfi-Vorsitzende Domingo Paz. "Nun träumen wir davon, einen Teil unserer Produkte weiterzuverarbeiten."

Nach Ansicht des honduranischen Beamten Raúl Alemán, der die Pacta/FAO-Projekte betreut, hat das öffentlich-private Partnerschaftsprojekt den beteiligten Menschen zu Nahrungssicherheit, nachhaltiger Entwicklung und dem Zugang zu Krediten verholfen.

Diese vielen positiven Aspekte waren es am Ende auch, die dazu führten, dem Projekt den Nationalen Umweltpreis zu verleihen. Einen Teil des Preisgeldes in Höhe von 4.500 Dollar haben die Bauern untereinander aufgeteilt. Den Rest steckten sie in die Produktion und in Bildungsstipendien für ihre Kinder.

Quelle: IPS, Deutsche Bearbeitung: Karina Böckmann