Kolumbien |

Indigenen-Dachverband startet Proteste

Kolumbien steht eine Protestwelle seiner 80 indigenen Völker bevor. Am Wochenende erklärte die Nationale Indigenen-Organisation Kolumbiens (ONIC) den Beginn einer landesweiten „Minga“-Mobilmachung „zur Verteidigung des Lebens, Territoriums, Autonomie und Souveränität“, so eine auf der Webseite des Dachverbandes am Sonnabend, den 12. Oktober, veröffentliche Presseerklärung. Protestbeginn sei Dienstag, der 15. Oktober, erklärten ONIC-Sprecher auf einer Pressekonferenz am selben Tag in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá.

„Die Mobilisierung ist ohne zeitliche Begrenzung, so lange für die auf den Tisch gelegten Forderungen keine Lösung gefunden ist“, sagte ONIC-Vertreter Luis Fernando Arias gegenüber lokalen Medien. Zur Aktion hätten sich die Vertreter der über 20 Regionalverbände wegen der „schlimmen Lage, in der unsere indigenen Völker leben“ entschieden. Seit Jahren geraten die indigenen Völker Kolumbiens zwischen die Fronten des Bürgerkrieges. Kritisiert werden auch der Ausbau des Bergbaus, die Folgen von Freihandelsverträgen, Landnahme sowie fehlende Mitbestimmung.

Aufforderung: Fortführung der Friedensgespräche

Zentralregierung und die Guerilla-Organisation FARC fordert ONIC zu einer Fortführung laufender Friedensgespräche auf, „bis sie dem bewaffneten Konflikt ein Ende bereitet haben“. Weil Kolumbien tiefgreifende Reformen für mehr soziale Gerechtigkeit benötige schließe man sich den Protesten anderer Gruppen der Zivilgesellschaft an, wie Kaffee- und Milchbauern, Studenten, Bäckern, LWK-Fahrern, Lehrern und Gewerkschaften. Für den 18. Oktober haben Zivilgesellschaft und Opposition zu einem landesweiten „Cacerolazo“, dem lauten Schlagen auf Kochtöpfe, aufgerufen.

Zudem verwehren sich die Indigenen gegen „jeden Versuch der Infiltrierung, Kooptierung und Nötigung der Indigenen-Minga“ durch „Staatsbeamte oder illegale bewaffnete Gruppen“, stellt die Fünf-Punkte-Erklärung klar. Mitgliedern der „Indigenen Garde“ sei die Festnahme störender Personen erlaubt. Bei Störversuchen des sozialen Protestes würden diese „im Rahmen der Indigenen Sonderjustiz“ bestraft. „Für jeden Angriff oder Verstoß der Menschenrechte unserer Brüder und Schwestern“ werde zudem die Regierung in Bogotá zur Verantwortung gezogen. (bb)