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Indigene und Fischer besetzen Belo Monte-Staudamm

Etwa 150 Indigene und Fischer haben gestern eine der vier Baustellen am Belo Monte-Staudamm besetzt. Sie fordern damit die Einhaltung von Versprechen, die der staatliche Konzern Norte Energía beim Klimagipfel Rio+20 im Juni gemacht und bisher nicht eingehalten habe. Die Besetzung solle so lange aufrecht erhalten werden, bis das Unternehmen den Respekt vor der Umwelt garantiere, erklärte die Sprecherin der Bewegung „Movimiento Xingu Vivo“, Maira Irigaray.

Umstrittenes Mega-Projekt

Der Bau des Belo-Monte Staudamms im Amazonasgebiet wird rund 13 Mio. US-Dollar kosten. Dabei soll der Fluss Xingu auf aufgestaut und eine Fläche von 502 km2 überflutet werden. Das größte Wasserkraftwerk Brasiliens soll 2015 ans Netz gehen und mit seiner Energieleistung 11 Prozent des im Land benötigten Stroms liefern.

Umweltschützer, am Xingú-Fluss lebende Indígenas und Menschenrechtler protestierten von Beginn an gegen den Bau des weltweit drittgrößten Wasserkraftwerks, da für das Projekt rund 40.000 Indigene umgesiedelt werden müssten und große Umweltauswirkungen befürchtet werden. Bereits im Juni waren die Bauarbeiten mehrere Wochen blockiert, weil rund 300 Indigene die Baustelle besetzt hatten. Immer wieder wurden Baustopps verhängt und juristisch wieder kassiert.

Norte Energía hält Umweltauflagen nicht ein

Die jetzige Besetzung sei friedlich verlaufen, erklärte Irigaray gegenüber Pressevertretern. Fischer verschiedener Ethnien hätten die Schlüssel von Lastwagen und Baukränen konfisziert, so dass die Arbeiter ihre Tätigkeit aufgeben mussten, berichtet die Organisation. Die Protestierenden hatten mit ihrer Besetzung im Juni gefordert, dass ihre Territorien markiert und Nicht-Einheimische Siedler davon vertrieben werden und das Gesundheitssystem sowie die Trinkwasser- bzw. Sanitärversorgung verbessert werden. Dies sei im Juni war zugesagt, aber die Zusagen nicht eingehalten worden. Zudem würde Norte Energía immer wieder den Fluss aufzustauen ohne das Passieren von Booten zu ermöglichen, wie es eine Auflage der Umweltbehörde Ibama fordert, so die Anschuldigungen der Besetzer.

Norte Energíe reklamiert für sich, dass der Konzern 117 Umwelt- und Sozialprogramme mit einem Volumen von 117 Mio. US-Dollar aufgelegt habe. Auch wenn indigene Territorien von der Überflutung nicht direkt betroffen sind, gehen Experten davon aus, dass die Bewohner ihre Lebensweise nicht werden aufrecht erhalten können. Bereits jetzt bleiben Fische aus und die Wasserqualität wird durch den massiven Eingriff in die Umwelt verändert. (bh)