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Indigene und Afrikanischstämmige Seite an Seite

Die indigenen Völker Mittelamerikas teilen mit der afrikanischstämmigen Bevölkerung Erfahrungen von Diskriminierung, Eindringen auf ihre Länder und fehlendem Respekt vor ihren Sprachen. Beide Gruppen wollen für ihre Interessen künftig gemeinsam kämpfen.

Ende September trafen in Nicaraguas Hauptstadt Managua erstmals Vertreter von indigenen Völkern und der afrikanischstämmigen Bevölkerung Mittelamerikas zusammen. Die über 70 Teilnehmer des Treffens kamen aus Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua und Panama. Sie diskutierten die gemeinsamen Probleme vor dem Hintergrund des Integrationsprozesses in Mittelamerika.

Bezugspunkt ILO-Abkommen 169

Die Repräsentanten wie Bürgermeister oder Junta-Vorsitzende sprachen über Themen wie Landbesitz, Demarkierung von Gebieten, Frauenrechte und das Recht auf Unterricht in der eigenen Sprache. Von herausragender Bedeutung für Indigene und Aftikanischstämmige in Lateinamerika ist der Kampf für die Umsetzung von Abkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation, das indigenen Völkern Rechte wie die Konsultierung bei Großprojekten zusichert (in Mittelamerika haben nur El Salvador und Panama Abkommen 169 nicht ratifiziert).

Einfluss auf nationale Regierungen nehmen

Als konkreter Schritt wurde ein Ständiger Rat gebildet, der auf mittelamerikanischer Ebene die gemeinsamen Interessen artikulieren soll. Ziel des Treffens war es, einen Anstoß zu geben, dass die indigenen Völker Einfluss auf die Politik ihres jeweiligen Landes nehmen. Hierbei sollen Prozesse der Entwicklung und der Dezentralisierung angestoßen werden.

Außerdem wollen die Teilnehmer das Zentralamerikanische Integrationssystem (SICA) und das Zentralamerikanische Parlament (PARLACEN) dazu anhalten, die Probleme von Indigenen und Afroamerikanern bei den Regierungschefs vorzutragen.

Indigene mit Minifundien abgespeist

Besonderes Augenmerk galt den Landkonflikten, die seit der spanischen Kolonialzeit schwelen. In allen mittelamerikanischen Staaten konzentriert sich der Landbesitz in den Händen Weniger. Die Indigenen aber müssten sich mit Minifundien begnügen, obwohl das Land doch ihnen gehöre, so ein Vertreter aus Guatemala.

Einigkeit bestand auf dem Treffen hinsichtlich einer stärkeren politischen Beteiligung von Frauen sowohl in den eigenen Organisationen als auch nach außen hin.

Auch positive Entwicklungen

Ein Vertreter aus Honduras erklärte, in seinem Land gebe es durchaus Fortschritte bei der Einbeziehung der afrikanischstämmigen Bevölkerung, zum Beispiel eine eigene parlamentarische Vertretung. Die Ratifizierung von ILO-Abkommen 169 durch die honduranische Regierung eröffne neue Spielräume hinsichtlich der Anerkennung der Afrikanischstämmigen durch die gesamte Bevölkerung. Dennoch bleibt auf mittelamerikanischer Ebene noch viel zu tun, um die kollektiven Rechte von Indigenen und Afrikanischstämmigen durchzusetzen.

Carmen Herrera in Noticias Aliadas, deutsche Bearbeitung: Bernd Stößel