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Indigene protestieren für bessere Gesundheitsversorgung

Sao Paulo (KNA) In Brasilien halten mehrere hundert Indigene seit Tagen verschiedene Überlandstraßen im Bundesstaat Rio Grande do Sul blockiert. Die Mitglieder des Volkes der Kaingang protestieren damit gegen eine mangelhafte Versorgung der Indigenen durch das staatliche Gesundheitssystem. Für eine Beendigung der Straßensperren verlangen sie ein Gespräch mit Verantwortlichen des Gesundheitsministeriums, wie brasilianische Online-Nachrichtendienste am Dienstag meldeten.

In Rio Grande do Sul, dem südlichsten Bundesstaat Brasiliens, leben etwa 40.000 Guaraní- und Kaingang-Indianer. Indigenenvertreter bezeichnen die Betreuung durch die zuständige Bundesbehörde FUNASA als vollkommen unzureichend und fordern die Einrichtung einer eigenen Behörde für Rio Grande do Sul. Brasiliens Gesundheitsministerium sagte zwar bereits im vergangenen Jahr Strukturverbesserungen zu; diese befinden sich jedoch noch in der Umsetzung.

Die Indigenen beschweren sich zudem über Mängel in der Trinkwasserversorgung und fehlende Anschlüsse an die Kanalisation. Viele bewohnen provisorische Camps mit miserablen hygienischen Bedingungen, die oft unmittelbar an stark befahrenen Autobahnen liegen.

Vertreter der Indigene gaben bekannt, die Straßensperren sollten so lange aufrechterhalten bleiben, bis die Bundesregierung in Brasilia konkrete Zusagen gemacht habe. Die betreffenden Straßen führen durch ein traditionelles Siedlungsgebiet der Indigene. Der Verkehr wird derzeit auf anderen Routen umgeleitet.
(KNA - llkskt-bd-1627.59ge-1)

Die Kirche als Anwalt der Indigenen:
Der Indianermissionsrat (Conselho Indigenista Missionário - CIMI) der katholischen Kirche ist eine der wichtigsten Organisationen zur Unterstützung der indianischen Völker Brasiliens. Er setzt sich insbesondere beim Schutz der Territorien gegen wirtschaftliche und politische Interessen ein. In 24 der 27 Bundesstaaten Brasiliens leben heute mehr als 730.000 Menschen, die 241 indigenen Völkern angehören.
Im Gebiet Rio Grande do Sul waren zu Beginn der Kolonialisierung noch mehr als ein Dutzend indigene Völker beheimatet, die bis auf die Kaingang und Guarani alle ausgelöscht wurden. Auch bei den Kaingang sei es zentrales Thema, ihre ursprünglichen Gebiete zurückzuerhalten, sagt Jacson Lopes Santana von der Regionalstelle Süd des CIMI. Doch es gehe ihnen nicht darum, Autonomie von der brasilianischen Gesellschaft zu erlangen, sondern um ein Eingliedern unter Bewahrung ihrer Traditionen, Geschichte und kulturellen Reichtümer. Ein Grundmaß an Infrastruktur, Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung sei für ein Leben in Würde zwingend notwendig, schilderte Lopes Santana in einem Projektantrag an Adveniat. Verfassungsgemäße Rechte würden von Seiten der Regierung viel zu selten gewährt.
Adveniat unterstützt das Team der Regionalstelle des CIMI dabei, die indigenen Gemeinschaftenzu beraten und mindestens einmal im Monat zu besuchen . Zurzeit tragen neun Gemeinschaften Landkonflikte aus, dabei stärkt ihnen der CIMI den Rücken.