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Indigene Medien können Stereotype abbauen

Indigene Medien spielen bei der Überwindung stereotyper Denkweisen eine große Rolle. Auch helfen sie den First Nations dabei, ihre Identität und den Zusammenhalt untereinander zu stärken. Sie waren die Protagonisten des diesjährigen Welttags der indigenen Völker.

´Indigene Medien, die indigene Stimmen befähigen´ – so lautete das Motto des Internationalen Tages am 9. August. Eine UN-Konferenz wird sich mit den verschiedenen Wirkungsweisen dieser besonderen Medien befassen, die den ethnischen Gemeinschaften ein Fenster zur Welt öffnen und zu einer größeren politischen und sozialen Partizipation verhelfen. In den Mainstreammedien werde häufig der Eindruck erweckt, als seien Ureinwohner eine homogene rückwärtsgewandte Gruppe, unfähig, sich den Herausforderungen der Neuzeit zu stellen, kritisiert der kanadische Chippewas-Indigene Duncan McCue. Mit diesen Klischees müsse endlich Schluss sein, meint der Indigene, der seit 1998 Reporter beim Kanadischen Rundfunk ist.

Als außerordentlicher Professor an der Journalistenschule der University of British Columbia hat er im letzten Jahr ein Seminar über indigenen Journalismus mit dem Titel ´Berichterstattung in den indigenen Gemeinschaften´ (RIIC) abgehalten. Auch richtete er eine Open-Source-Webseite für Journalisten zugunsten einer fairen Berichterstattung über indigene Belange ein.

Indigene in den Medien häufig Opfer oder Krieger

Auf der RIIC-Webseite zitiert McCue einen älteren Indigenen, demzufolge es die Ureinwohner dieser Welt nur dann in die Medien bringen, wenn sie dem Bild des trommelnden, trinkenden, tanzenden oder toten Indianers entsprechen. "Doch diese vier Ts und auch die Vorstellung, Indigene seien Krieger, haben mit der indigenen Realität wenig zu tun", so McCue.

"Indigene sind in den Medien eindeutig unterrepräsentiert", betont der Professor. "Wird über sie berichtet, dann werden sie meist als Abziehbilder dargestellt – entweder als Opfer oder als Krieger beziehungsweise Protestierende, um nur zwei Allgemeinplätze anzubringen", erläutert McCue.

Für diese These spricht auch die Berichterstattung über die Entdeckung ´unkontaktierter Völker´ im südostperuanischen Regenwald. Die Darstellung nackter, mit roter Farbe bemalter Menschen, die mit Pfeilen auf ein Flugzeug zielten, bediene die klassischen stereotypen Vorstellungen, unterstreicht Sheila Aikman, Dozentin an der britischen Universität von East Anglia.

Mehr Medienangebote für Indigene gefordert

In seiner Mitteilung zum diesjährigen Welttag der indigenen Völker rief UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon die UN-Mitgliedstaaten und die Mainstreammedien dazu auf, Raum zu schaffen für eine Berichterstattung, die den Perspektiven, Prioritäten und Wünschen indigener Völker gerecht werde.

Neben einer Verbesserung der journalistischen Arbeit nicht-indigener Journalisten über Indigene fordert McCue auch einen verbesserten Zugang Indigener zu den Medienberufen. Dass es inzwischen mehr Ureinwohner gebe, die als Journalisten arbeiteten, dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie in der Welt der Medien nach wie vor unterrepräsentiert seien.

Als Glücksfall bezeichnet der Chippewas die Gründung des ´Aboriginal Peoples Television Network´ (APTN) im Jahre 1999. Der einzige indigene Fernsehkanal der Welt dient den First Nations, Inuit und Métis als Plattform, um sich auszutauschen. Doch ob nun die eigenen oder die Mainstreammedien – sie alle seien ein wichtiges Werkzeug im Kampf der Indigenen um Selbstbestimmung.

Quelle: IPS

Konferenz der Indigenen in Brasilien. Foto: Flickr/Secom Bahía