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Indigene halten Beamte als Geiseln

Aus Protest gegen ein geplantes Wasserkraftwerk werden seit Montag in der brasilianischen Amazonasregion sieben Regierungsbeamte von Indigenen als Geiseln gehalten. Die Indigenen fordern die Anerkennung ihrer traditionellen Siedlungsgebiete als geschützte Reservate. Verhandlungsangebote der Regierung lehnten sie ab und verlangten ein Gespräch mit dem Präsidenten der staatlichen Indigenenbehörde FUNAI, wie brasilianische Onlinemagazine am Donnerstagabend (Ortszeit) berichteten.

Die Indigenen rechtfertigten sich den Angaben zufolge in einem Brief für die Entführungen. Da die Regierung ohne ihre Zustimmung den Bau mehrerer Dämme auf indigenem Gebiet plane, seien sie zu solchen drastischen Schritten gezwungen. Sollte die Regierung den Forderungen nicht nachkommen, werde man die Geiseln tiefer in den Wald hineinbringen, so ein Anführer der Indigenen.

Als Reaktion auf die Entführungen hat die staatliche Umweltbehörde IBAMA für den Monatsende geplante öffentliche Anhörungen über das Projekt vorerst um zwei Wochen verschoben. Die betroffene Bevölkerung soll ihre Meinung zu dem Projekt abgeben können.

Bei den Indigenen handelt es sich um Angehörige der Völker Caiabi, Apiaca und Mundurucu, die in der Grenzregion der beiden Bundesstaaten Mato Grosso und Para im Herzen der Amazonasregion leben. Die Beamten hatten die Indigenen besucht, um ihnen das Projekt für den Sao-Manoel-Damm vorzustellen, der den Fluss Teles Pires stauen soll. Fünf der entführten Beamten arbeiten für die FUNAI, zwei für eine staatliche Energiebehörde.

Das von der Regierung geplante Vorhaben gehört zu einer ganzen Reihe von umstrittenen Staudammprojekten, die in der Amazonasregion in Planung oder bereits im Bau sind. Seit Jahren wehren sich Indigene im Bundesstaat Para gegen den Bau des Belo-Monte-Staudamms, der das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt werden soll. Unterstützung finden sie sowohl durch Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace wie auch durch den Indianermissionsrat der katholischen Kirche CIMI.

Quelle: kna