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Indigene besetzen Indiobehörde FUNAI

Gut 150 Indigene haben vorrübergehend den Sitz der staatlichen Indiobehörde FUNAI in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia besetzt. Nachdem sie an einer Veranstaltung im FUNAI-Gebäude teilgenommen hatten, weigerten sich die Indigenen am Montag, 10. Juni, das Gebäude zu verlassen, wie brasilianische Onlinemedien berichteten. Sie verlangten, mit Vertretern der Behörde und der Regierung zu verhandeln. Die Indigenen fordern ein Ende diverser Staudammprojekte in der Amazonas-Region.

Die aus Indigenen vom Stamm der Munduruku, Arara, Xipaia und Caiapo bestehende Gruppe hatte im Mai eine Baustelle des künftigen Megastaudamms Belo Monte besetzt. Dabei forderten sie auch eine Überprüfung weiterer Staudammprojekte in der Region. Vergangene Woche wurden sie in Regierungsflugzeugen nach Brasilia gebracht, wo sie mit Präsidialamtschef Gilberto Carvalho zusammentrafen. Dieser hatte ein neues Treffen für diesen Montag (10. Juni) angesetzt, wollte aber nach Aussage der Indigenen nur zehn Vertreter empfangen. Aus Protest erfolgte die friedliche Besetzung des FUNAI-Gebäudes.

Die staatliche Behörde steckt derzeit in einer tiefen Krise. Nach gewaltsamen Landkonflikten zwischen der Polizei, weißen Farmern und Indigenen im Bundesstaat Mato Grosso do Sul, bei denen ein Indigener getötet wurde, gaben Politiker der FUNAI eine Mitschuld an der kritischen Situation. Zudem plant die Regierung, der FUNAI die alleinige Kompetenz zur Demarkierung von indigenem Land zu entziehen. Am Freitag, 7. Juni, war daraufhin die FUNAI-Präsidentin Marta Azevedo zurückgetreten; als Grund nannte sie gesundheitliche Probleme.

Quelle: KNA