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Indigene behüten Naturschutzgebiet

Das Volk der Mayangnas setzt sich für den Erhalt der Wälder im Biosphärenreservat Bosawas ein, das im Norden Nicaraguas an der Grenze zu Honduras liegt - Naturschutz als Ausdruck der indigenen Kosmovision.

Bosawas ist mit einer Fläche von gut 20.000 km² (15 Prozent der Landesfläche oder knapp so groß wie Hessen) eines der größten Naturschutzgebiete in Mittelamerika. Hier im Norden Nicaraguas gibt es sieben indigene Territorien. Esteban López, Vizepräsident einer der Regierungen, erklärt: „Die ursprünglichen Namen der Hügel, Bäume, Flüsse und Tiere haben sich in der Mayangna-Sprache erhalten. Was beweist, dass unsere Vorfahren das Land bewohnt und für es Sorge getragen haben.“

Holzfäller und Drogenhändler fallen ein

Trotz seiner Größe und des 1997 von der UNESCO verliehenen Status als Biosphärenreservat ist Bosawas noch immer relativ unbekannt. Die Erklärung nannte seinerzeit als Zweck die Förderung des Gleichgewichts zwischen Menschen und Biosphäre. Die 25.000 Mayangna stellen in dem Gebiet zwar die kleinste ethnische Gruppe, 80 Prozent ihres Gebietes befinden sich aber innerhalb des Kerns des Schutzgebietes. In jüngster Zeit beschwerten die Mayangna sich immer wieder über Siedler – Mestizen – die rücksichtslos Holz fällen. Außerdem pachteten honduranische Viehzüchter große Stücke Land, die sie als Weide nutzten, Großgrundbesitzer kauften Flächen auf. Zuletzt machte sich auch noch der Drogenhandel breit.

Historische indigene Rivalitäten

Esteban López zufolge scheuen die Siedler nicht vor Gewalt zurück, sie trügen Waffen. Jedes Jahr verschwänden große Flächen Wald. Das Gebiet von Bosawas war bis zum 19. Jahrhundert ausschließlich den Mayangna vorbehalten. Dann drangen sukzessive andere indigene Völker auf das Land ein, darunter die Miskitos – mit über 100.000 Angehörigen die größte Ethnie Nicaraguas. 2008 entschloss sich Nicaraguas Regierung, indigene Regierungen in den Territorien zu schaffen, um den historischen Ausschluss rückgängig zu machen. Mit Symbolpolitik geben die Indigenen sich nicht zufrieden, sie fordern von den Siedlern eine Wiederaufforstung abgeholzter Gebiete.

Umweltschützer verstehen Philosophie nicht

Auf Kritik stößt das Naturschutzverständnis nicaraguanischer Regierungsbehörden, aber auch von Umweltgruppen: es sei rein ökologisch begründet und trage der besonderen, tiefen Beziehung nicht Rechnung, die zwischen Mayangnas und Bosawas bestehe. Allen Widrigkeiten zum Trotz habe man für den Lebensraum Wald gesorgt – getragen von der traditionellen Kosmovision, in der Mensch und Natur untrennbar miteinander verbunden sind. Nicht nur der Holzeinschlag durch die Siedler stellt für die Mayangnas eine Bedrohung dar, auch die Miskitos, zu denen als historischen Rivalen ohnehin ein angespanntes Verhältnis besteht, greifen in das ökosystem ein. Die Jagd auf vom Aussterben bedrohte Tiere bedeutet ebenfalls: Wir nehmen uns einfach unser Recht – oder was wir dafür halten.

Wald beim Staat in schlechten Händen

Zank gibt es zwischen Mayangnas und Miskitos auch hinsichtlich der Repräsentanz in der indigenen Selbstverwaltung. Obwohl die Miskitos das Kerngebiet von Bosawas nicht bewohnten, stellten sie die Mehrheiten, heißt es von Seiten der Mayangnas. Unter Berufung auf das sogenannte „Gesetz 445“ soll hier Abhilfe in Gestalt eigener Regierungen geschaffen werden. Nicaraguas Regierung müsse endlich verstehen, dass die Mayangnas die Hüter von Wasser, Wäldern und Tieren seien – für sich selbst, für Nicaragua und für ganz Mittelamerika. Die spärlichen Reste an Wald könnten nur die Indigenen bewahren.

Autorin: Carmen Herrera in Noticias Aliadas, deutsche Bearbeitung: Bernd Stößel