Bolivien |

Indigene als "Umwelt-Kontrolleure"

In Bolivien haben Angehörige der Guaraní ein Auge auf die Aktivitäten von Erdöl- und Erdgasunternehmen im ökosystem des Chaco, das sich auch auf Teile Paraguays, Argentiniens und Brasiliens erstreckt. Das Projekt - das erste seiner Art in Bolivien - startete im Jahr 2007. Derzeit sind 55 Umweltkontrolleure tätig. Sie weisen die Unternehmen auf die Einhaltung der Umweltauflagen hin, vor allem aber fordern sie Respekt vor den Rechten der Indigenen bezüglich des von ihren Vorfahren ererbten Landes.

Über 300 Guaraní-Gemeinden im bolivianischen Chaco

Ernannt werden die Umweltwächter von den indigenen Campesino-Gemeinden der Region – insgesamt gibt es im bolivianischen Chaco über 300 Guaraní-Gemeinschaften. Die Aufgabe besteht darin, kontinuierlich den Zustand von Flora und Fauna zu überprüfen, ebenso wie jenen von Wasser, Boden und Luft. Überall dort, wo Erdölaktivitäten vonstatten gehen. Und diese sind zahlreich im Chaco.

Das Projekt geht auf das bolivianische Erdölgesetz aus dem Jahr 2005 zurück, das in Artikel 131 die Schaffung zweier Komitees zur Umweltüberwachung festlegte, eines auf nationaler und eines auf lokaler Ebene. Diesen sollten neben Vertretern von Institutionen und Behörden auch indigene Repräsentanten angehören. Das nationale Komitee habe allerdings nicht funktioniert, so die Kritik von indigener Seite. Die Guaraní ihrerseits begannen vor Ort, Abkommen mit den Unternehmen der Erdölindustrie zwecks Umweltkontrollen zu treffen.

Auswirkungen auch auf die Bevölkerung beobachtet

Bestandteil der Überwachung ist neben der Kontrolle zum Beispiel des Wassers, des Abfall-Recyclings und des Zustands der Erdölanlagen auch die Sammlung von Daten bezüglich der soziokulturellen und sozioökonomischen Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung. Die indigenen Kontrolleure entdecken hierbei häufig schwerwiegende Probleme, die den Unternehmen - sicherlich teilweise auch weil diese davor die Augen verschließen - entgangen wären. Ein Guaraní - einer der ersten Kontrolleure - berichtet von Fällen von Diskriminierung durch das Personal der Unternehmen. Die Überwachung werde nicht immer gerne gesehen, obwohl sie klar dem Gesetz entspricht. Stets geht es darum, Kosten zu minimieren, im Zweifelsfall ohne Rücksicht auf die Umwelt. Doch die Indigenen lassen nicht locker. Sie sollen nun in Kursen gezielt ausgebildet werden, um ihrer Aufgabe nach dem neuesten Wissensstand nachgehen zu können.

Ricardo Herrera Farell in Noticias Aliadas, deutsche Bearbeitung: Bernd Stößel