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Indianische Völker fordern Umkehr zu nachhaltiger Entwicklung

Vier Tage lang diskutierten Vertreter indianischer Völker der Bundesstaaten Goiás und Tocantins Ende Mai über ihre Situation und die Bedrohungen ihrer Existenz durch die Politik der derzeitigen Regierung. Geprägt wurde die „I Assembleia dos Povos Indígenas de Goiás e Tocantins“ von Kritik an den große Infrastrukturprojekten der Regierung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. Auch die mangelhafte Gesundheitsvorsorge für die Indios und die prekäre Situation der öffentlichen Schulen wurden beklagt.

Der Indianermissionsrat der katholischen Kirche (CIMI) geht für ganz Brasilien von 430 Infrastrukturprojekten der Regierung aus, die direkt das Leben und Überleben der Indios beeinträchtigen, darunter alleine 144 Staudammprojekte. Die 350 in Palmas, der Hauptstadt des Bundesstaates Tocantins, versammelten Indios von den Stämmen der Krahô, Karaja, Apinajé, Xerente, Krikati, Xambioá, Krahô Kanela, Javaé, Tapuia und vieler anderer wiesen auf das Beispiel des Megastaudammes Belo Monte im Bundesstaat Pará hin, das ohne die Zustimmung der dort ansässigen Indios durchgeführt wird. Den an Flüssen ansässigen Indios entziehen die Staudämme ihre Lebensgrundlagen, so die Klage.

Auch das ungebremste Vordringen der Agrarindustrie wurde in Palmas thematisiert. Vor allem Sojaplantagen würden ungehindert auf Indiogebiet vordringen, wobei die von den Farmern eingesetzten Pflanzenschutzmittel die Flüsse und Grundwasserreservoirs der betroffenen Regionen vergifteten. Auch die massive Anpflanzung von Eukalyptusbäumen für die Gewinnung von Zellulose stieß auf scharfe Kritik.

So finanziere Brasiliens Regierung Projekte die nationalen und internationalen Großunternehmen Gewinne bescherten. Gleichzeitig litten die Indio-Völker unter mangelhaften Investitionen in die lokalen Gesundheitsstrukturen und das Schulsystem. “Würde das Geld, das die Regierung mit derart vielen zerstörerischen Projekten des PAC (Infrastrukturprogramms) ausgibt, für eine Politik der nachhaltigen Entwicklung der Amazonasregion ausgegeben, so würde dies für uns, die Indio-Völker, viel mehr Vorteile bringen,” so der Indioführer Antônio Apinajé. (milz)