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In Gedenken an mutige Ind?­genas

Am 31. Januar 1980 wurden 39 friedliche Demonstranten vor der spanischen Botschaft in Guatemala-Stadt von Sicherheitskräften getötet. Den Befehl dazu gab der damalige Präsident Romeo Alvarez Ruiz. Alle der spanische Botschafter überlebte das Massaker. Der Tag war einer der traurigen Höhepunkte des Bürgerkrieges, der von 1960 bis 1996 dauerte. Mehr als 220.000 Menschen starben und Zehntausende verschwanden. Rund eine Millionen Menschen flüchteten innerhalb Guatemalas, einige Tausende fanden im Ausland Asyl.

Die Demonstranten vom 31. Januar 1980 - Campesinos, Arbeiter und Studenten - entstammten dem Volk der Quiché-Indianer, das in dem Gebiet von El Quiché in unerträglicher Unterdrückung lebte. Im Zuge der Besetzung ihres Landes durch das Militär war vor allem die indianische Bevölkerung unter den Generalverdacht der „Subversion“, der Guerillatätigkeit, geraten. Durch die „Doktrin der Nationalen Sicherheit“ legitimiert, schritt das Militär systematisch zur Bekämpfung von Aufständen ein. Täglich wurden zwischen 10 und 15 Indígenas verschleppt, schwere Menschenrechtsverletzungen prägten den Alltag der Campesinos.

Im Januar 1980 entschied eine Gruppe von 28 Campesinos mit der friedlichen Besetzung der spanischen Botschaft in Guatemala-Stadt die Weltöffentlichkeit auf das Leid der Indígenas in Guatemala aufmerksam zu machen. Viele der Demonstranten waren gläubige Christen und Katecheten, die in ihrem Protest und Einsatz für die Rechte ihres Volkes gleichsam das Zeugnis ihres christlichen Glaubens sehen.

Obwohl die Protestanten gleich zu Beginn ihre friedliche Absicht bekundeten, zögerten die zahlreichen Polizeieinheiten, Sicherheitskräfte und Spezialkommandos, die binnen kürzester Zeit die spanischen Botschaft abgeriegelt hatten, nicht mit dem Einsatz von Brandbomben.

Unter den Getöteten waren auch María Ramirez Anay sowie Vicente Menchú, Vater der späteren Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú. Vicente Menchú, der seinen Lebensunterhalt als Kleinbauer und Landarbeiter bestritten hatte und ebenfalls als Katechet tätig gewesen war, engagierte sich schon früh gegen die Ausbeutung der Campesinos durch die Großgrundbesitzer. Verbindungen, die Menchú zu Gewerkschaften geknüpft hatte, führten zu seiner mehrfachen Inhaftierung; 1978 gründete er das CUC („Comité de Unidad Campesino“), das der Organisation der Bauern in den Dörfern diente und dem seine Tochter Rigoberta ein Jahr später ebenfalls beitrat. Nach seiner Ermordung wurde Vicente Menchú in einem Massengrab in Uspantán verscharrt.

Auch seine Ehefrau und Mutter von Rigoberta, Juana Tum de Menchú, wurde wenige Monate später am 19. April 1980 verhaftet, auf grausame Weise gefoltert und getötet. Juana war trotz den Ratschläge der Kirche nicht ins Ausland geflohen, da sie sich den Dorfbewohnern in den Hochlagen gegenüber zur Hilfe verpflichtet fühlte.

Neben dem Ehepaar Menchú und María Ramirez Anay gedenkt Adveniat gemeinsam mit der Kirche in Guatemala den weiteren Opfern, die im Zuge ihres Einsatzes für Freiheit und Gerechtigkeit im Jahr 1980 im guatemaltekischen Bürgerkrieg getötet wurden.

Beim Massaker in der spanischen Botschaft starben auch:

Luis Antonio Ramírez (Student)

Felipe Antonio García Rac (Arbeiter)

Edgar Rodolfo Negreros Straube (Student)

Salomón Tavico (Bauer aus El Quiché)

Gaspar Vivi (Bauer aus Chajul)

Leopoldo Pineda (Student)

Meteco Sic Chen (Christ aus Chimel)

Gavina Moran Chupe (Bäuerin aus San Pablo El Baldío)

José Angel Xona Gomez (Bauer aus San Pablo El Baldío)

Sonia Magaly Welchez Valdez (Studentin)

Regina Pol Cuy (Bäuerin aus Chimel, Uspantán)

María Ramírez Anay (Schwester v. María Ramírez Anay)

Juan Tomás Lux (Bauer aus Chimel, Uspantán)

María Pinula Lux (Bäuerin aus Chimel, Uspantán)

Trinidad Gómez Hernández (Landbewohner)

Mateo Sis (Bauer aus San Pablo El Baldío)

Victor Gómez Zacarías (Bauer aus Santa Cruz, El Quiché)

Francisco Tum Castro (Aldea Los Platanos, Uspantán)

Juan Chic Hernández (Malalahuel, Uspantán)

Mateo López Calvo (Bauer aus Santa Cruz, El Quiché)

Francisco Chen (Bauer aus Rabinal, Baja Verapaz)

Gregorio Yuja Xona (Bauer aus San Pablo El Baldío)

Juan Us Chic (Bauer aus Chimel, Uspantán)

Juan López Yac (Bauer aus Malacalajau)

Juan José Yoa (Bauer aus Santa Lucía Cotzumalguapa)

Eduard Carceres Lehnhoff (Ehemaliger Präsident von Guatemala)

Adolfo Molina Orantes (Ehemaliger Außenminister von Guatemala)

Jaime Cruz del Arbol (spanischer Konsul in Guatemala)

Luis Felipe Saenz Martínez (Botschaftsangehöriger)

Lucrecia de Avilez (Botschaftsangehörige)

Nora Mena Aceituno (Botschaftsangehörige)

María Teresa Villa de Santa Fe (Botschaftsangehörige)

Miriam Rodríguez (Botschaftsangehörige)

Lucrecia Anelu (Botschaftsangehörige)

Mary de Barillas (Botschaftsangehörige)

sowie 2 unbekannte Personen.

Des weiteren sind 1980 getötet worden:

Conrado de la Cruz (Priester) und Katechet Herlindo Cifuentes (entführt und am 1. Mai getötet)

José Maria Gran (Missionar) und Domingo Batz (Küster) (am 4. Juni getötet)

70 Bauern beim Massaker am 28. Juli in San Juan Cotzal.

Nach langwierigen und schwierigen Verhandlungen, an denen auch die UNO teilnahm, unterzeichneten 1996 die damalige Regierung Guatemalas und die Unidad Revolutionario National Guatemalteco einen Friedensvertrag. Kurze Zeit später begann die „Kommission zur Aufklärung der Menschenrechtsverletzung und Gewaltakte gegen die Bevölkerung“ mit ihrer Nachforschungs- und Aufklärungsarbeit. Die ermittelten Zahlen sprechen ihre eigene Sprache, auch wenn sie das Leid der Betroffenen sicherlich nur andeutungsweise zum Ausdruck bringen können. Mehr als 200.000 Menschen wurden getötet oder verschleppt, 83 Prozent der Opfer sind Indígenas. Die Kommission untersuchte 40.000 Fälle. In 93 Prozent der Fälle trugen staatliche, militärische oder paramilitärische Gruppen die Verantwortung.

Noch heute wird die Aufarbeitung der traurigen Geschichte Guatemalas durch Gewaltandrohungen sanktioniert. Morde, wie 1998 an Bischof Gerardi, finden weiterhin statt. So wird der 31. Januar 1980 zum Tag des Gedenkens all derer, die sich für Freiheit und Gerechtigkeit und ein menschenwürdiges Leben der Indígenas in Guatemala eingesetzt haben.

„Einigen ist es bestimmt, ihr Blut zu geben, anderen, die Kraft. Geben wir also, solange wir noch können, unsere Kraft.“ (Vicente Menchú).

Autorin: Linda Menniger