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Immer mehr Kinder Opfer von Querschlägern in Rio

Immer mehr Kinder werden Opfer von Querschlägern in Rio. (Symbolfoto) Foto: Adveniat/Escher
Immer mehr Kinder werden Opfer von Querschlägern in Rio. (Symbolfoto) Foto: Adveniat/Escher

Am Mittwoch wurde der vierjährige João Pedro durch einen Querschläger im Rücken getroffen. Er war gerade mit seinem Vater auf dem Weg zur Kirche, als die beiden in einen Schusswechsel zwischen Drogengangs gerieten. Der Junge schwebt weiter in Lebensgefahr.

Am Dienstag waren bereits zwei Kinder Opfer der ausufernden Gewalt geworden. In den frühen Morgenstunden wurde die dreijährige Emily bei einem Überfall getötet. An einer Tankstelle war das Auto ihrer Eltern von Unbekannten gestoppt worden. Emilys Vater geriet in Panik und raste davon, woraufhin die Kriminellen das Feuer auf den Wagen eröffneten. Stunden später geriet der 13-jährige Jeremias in einen Schusswechsel zwischen Banditen und der Polizei. Auch er starb an den Folgen seiner Schussverletzung.

Seit Jahren steigt die Zahl der in Rio durch umherfliegende Kugeln getöteten Kinder an. Letztes Jahr starben in Rio zehn Kinder durch Schussverletzungen, genau wie im Jahr 2016. Seit 2007 sind es bereits 44. Fast täglich müssen die beiden Hauptverkehrsadern der Stadt, die „Linha Vermelha“ und „Linha Amarela“ wegen Schusswechseln gesperrt werden. Oft fliehen Autofahrer in Panik zu Fuß vor der Gefahr. Rio de Janeiros Sicherheitsbehörden, angeschlagen durch fehlende Haushaltsmittel, scheinen keinen Plan zur Eindämmung der Gewalt zu haben.

Die Stimmung innerhalb der Polizei in Rio ist schlecht, im letzten Jahr wurden 137 Polizisten ermordet. Zudem klagen die Polizisten über schlechte Ausstattung sowie fehlende Löhne. In den bisher als befriedet geltenden Favelas geraten sie zudem zunehmend unter Beschuss durch Drogenbanden. Auch die Verstärkung durch Einheiten des Militärs hat bisher keine Verbesserung der Sicherheitslage gebracht.

Regierung tue nichts gegen die Gewalt

Die toten Kinder seien kein Einzelfall, und bisher habe die Regierung nichts unternommen, um die Gewalt einzudämmen, meint Antonio Carlos Costa von der Nicht-Regierungsorganisation (NGO) Rio de Paz. „Wir brauchen Druck von Seiten der Bevölkerung und politischen Willen um Massnahmen auf den Weg zu bringen, die tausende Leben retten können. Es ist nicht hinzunehmen dass wir den Kampf gegen das Verbrechen verlieren, ohne wenigstens etwas versucht zu haben.“

Gouverneur Luiz Fernando Pezão gab der Presse eine Mitschuld an der trüben Stimmungslage. Die Medien würden das Ausmaß der Gewalt aufbauschen; Rio sei längst nicht die gewalttätigste Stadt Brasiliens. Verteidigungsminister Raul Jungmann schlug in die gleiche Kerbe. „Es gibt eine Art von Masochismus bei der Berichterstattung über Gewalt in Rio“, so Jungsmann. Immerhin kündigte Pezão die Rekrutierung von 2.000 neuen Polizisten an. Woher er angesichts der gigantischen Löcher in der Haushaltskasse die Mittel hierfür nehmen will, ließ der Gouverneur jedoch unbeantwortet.

Autor: Thomas Milz

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