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Im Visier der Investoren

Ausländische Investoren haben im Jahr 2010 ihr Geld bevorzugt in Lateinamerika arbeiten lassen. Dies geht aus dem jüngst vorgestellten Bericht der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) der Vereinten Nationen hervor, der am Mittwoch in Mexiko Stadt vorgestellt wurde. Die Region habe eine überaus schnelle Erholung von der internationalen Finanzkrise gezeigt, so die Studie mit dem Titel »Auslandsdirektinvestitionen« (FDI). Sie sei damit der Teil der Welt mit dem größten Wachstum bezüglich des Zuflusses und Abflusses von Kapital.

FDI-Zuströme seien im Vergleich zum Vorjahr 2009 (80 Milliarden US-Dollar) um 40 Prozent angestiegen und erreichten somit einen Wert von rund 113 Milliarden US-Dollar. Vervierfacht hätten sich die Abflüsse auf einen Rekordwert von rund 43 Milliarden US-Dollar. Dies sei eine Beleg für die große Dynamik der trans-lateinamerikanischen Unternehmen, so das CEPAL-Papier. Eine neue Tendenz sei die wachsende Teilnahme von Entwicklungs- und Schwellenländern an den internationalen Geldströmen der Region.
Die Erholung der Wirtschaft in den Industrieländern, der Boom aufstrebender Wirtschaftszweige (Export von Eisenerzen, öl und Gas, Lebensmittel, Autos, Software, Telekommunikation) sowie die wachsende Binnennachfrage in Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Peru habe seitens der transnationalen und trans-lateinamerikanischen Unternehmen eine Suche nach Binnenmärkten verursacht. Außerdem hätte die durch die Krise unter Druck geratenen Großfirmen zur »Tertiarisierung«, sprich der Erschließung neuer, nicht-industrieller Geschäftsbereiche auf Kapital-Basis geführt.

Die größten FDI-Zuwächse wurden in Brasilien (87 Prozent), Argentinien (54 Prozent), Peru (31 Prozent) und Chile (17 Prozent) festgestellt. Venezuela koppelt sich mittels der Nationalisierung strategischer Wirtschaftszweige (öl, Telekommunikation, Bau) derweil weiter vom ausländischen Kapital ab, hier waren die FDI rückläufig. (bb)
Link zur CEPAL-Studie