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"Im Hinterzimmer ausbaldowert"

Enttäuscht und desillusioniert haben die Länder Lateinamerikas auf das lauwarme Abkommen des Kopenhagener Klima-Gipfels reagiert. Die Ergebnisse seien weit von dem entfernt, was die Welt erhofft habe und benötige, sagte Mexikos Präsident Felipe Calderon, der Gastgeber der nächsten Klimakonferenz Ende kommenden Jahres. Zugleich zeigte er sich zufrieden, dass der mexikanische Vorschlag eines grünen Ausgleichsfonds, mit dem Massnahmen zur Milderung des Klimawandels und zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen in Entwicklungsländern finanziert werden, angenommen wurde. Brasiliens Umweltminister Carlos Minc kritisierte allerdings, die eingeplanten 30 Milliarden Dollar für die nächsten drei Jahre seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein und weniger als das, was alleine Brasilien in diesem Bereich ausgeben werde. Brasilien will bis 2020 die Emissionen um 39 Prozent verringern und dafür jährlich 16 Milliarden Dollar ausgeben.

Argentinien gab den Industrieländern die Schuld an dem wenig zufriedenstellenden Kompromiss. „Die Industrieländer haben wenig Bereitschaft gezeigt, auch nur das Kyoto-Protokoll zu erfüllen, dabei sind sie für 75 Prozent der weltweiten Treibausgas-Emissionen verantwortlich“, sagte Außenminister Jorge Taiana. Stattdessen hätten sie versucht, die Verantwortung auf die Schwellenländer abzuwälzen und ihnen verbindliche Emissionsziele aufzuzwingen. Diese Strategie zur Knebelung der wirtschaftlich aufstrebenden Entwicklungsländer sei aber glücklicherweise gescheitert. “Die Industrieländer haben sich gedrückt und die Welt enttäuscht“, resümierte er.“

Ebenso wie Ecuador, Venezuela, Bolivien und Kuba kritisierte Taiana das „wenig demokratische und partizipative Verfahren“ auf dem Klimagipfel. „Auf dem Gipfel wollten ein paar Länder Entscheidungen im Namen aller treffen, das ist unannehmbar“, sagte Ecuadors Unterhändlerin Maria Fernanda Espinosa unter Anspielung auf die entscheidenden Stunden, in denen die USA zusammen mit Ländern wie China, Indien, Südafrika und Brasilien im kleinen Komitee den Kompromiss für den Abschlusstext aushandelten.

Brasilien stiess damit zwar seine lateinamerikanischen Partner vor den Kopf, überraschte in Kopenhagen aber auch mit seiner Bereitschaft, Gelder für den Ausgleichsfonds zur Verfügung zu stellen statt wie bisher Gelder von den Industrieländern zu verlangen für den Erhalt des Regenwalds. Venezuelas Präsident Hugo Chavez erklärte rundheraus, das Abkommen von Kopenhagen zu ignorieren, weil es im Hinterzimmer von einigen wenigen ausbaldowert worden sei. Dem hätten sich auch Kuba, Bolivien, Dominica, Honduras, Nicaragua, Ecuador sowie einige karibische Inselstaaten angeschlossen.

Autorin: Sandra Weiss