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Hungerstreik: Mapuche aus „Mangel an Beweisen“ freigelassen

Die von der chilenischen Justiz vorsorglich in Haft genommenen Mapuche Rodrigo und Eric Montoya wurden am vergangenen Samstag von einem Berufungsgericht in Temuco freigesprochen. Sie befanden sich seit 60 Tagen im Hungerstreik, mit dem sie gegen das Vorgehen in ihrem Verfahren protestiert hatten. Die Brüder waren des versuchten Mordes an Polizeigeneral Iván Besmalinovic und dessen Einheit im November 2011 beschuldigt und in Präventivhaft genommen worden.

Der zuständige Richter Alvaro Mesa erklärte, die beiden Mapuche-Gefangenen seien am Samstag freigelassen worden, da „keine ausreichenden Beweise dafür vorliegen, sie weiter in Haft zu halten“, berichtet die Nachrichtenagentur TeleSur. Das Gericht ordnete jedoch Hausarrest bis zum Prozessbeginn an. Die Verhandlung soll nach Angaben von Mesa entweder im Dezember dieses Jahres oder im Januar 2013 beginnen. Die beiden Tatverdächtigen müssen sich bis dahin in regelmäßigen Abständen bei der Polizei melden.

Erfolgreicher Hungerstreik

Der Anwalt der Montoya-Brüder, Nelson Miranda, zeigte sich optimistisch bezüglich des anstehenden Verfahrens. Wenn es keine ausreichenden Beweise für eine weitere Inhaftierung der beiden Angeklagten im Gefängnis von Angol gebe, so sei auch die Wahrscheinlichkeit gering, dass sie verurteilt würden, zitieren lokale Presseberichte den Anwalt.

Ende Oktober hatte der Oberste Gerichtshof Chiles eine Nichtigkeitsklage der ebenfalls wegen des versuchten Mordes an Polizeigeneral Iván Besmalinovic angeklagten Mapuche Daniel Levinao und Paulino Levipán anerkannt. Levipán und Levinao hatten gemeinsam mit den Brüdern Montoya einen Hungerstreik begonnen, um gegen die Unrechtmäßigkeit ihrer Verfahren zu protestieren.

In den vergangenen Jahren habe politische Mapuche-Gefangene immer wieder mit Hungerstreiks dagegen protestiert, dass sie bei ihren Kämpfen um Landrechte nach einem Anti-Terror-Gesetz juristisch verfolgt werden, das noch aus der Pinochet-Diktatur stammt (1973-1990) und wesentlich höhere Haftstrafen sowie anonyme Zeugen zulässt.