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Hunger nimmt zu in Lateinamerika

Unterernährung hat oft strukturelle Ursachen.

Caracas. In Lateinamerika und der Karibik leiden inzwischen 52 Millionen Menschen Hunger. Das sind sechs Millionen mehr als noch im 2008. José Rivera, ständiger Sekretär des Lateinamerikanischen Wirtschaftssystems SELA, bezeichnete die im vergangenen Jahr ausgebrochene Wirtschaftskrise als eine „Strukturkrise“. Sie treffe nicht nur den Finanzsektor und den Arbeitsmarkt, sondern auch Ernährung und Umwelt. Eine Lösung des Nahrungsmittelmangels habe unbedingte Priorität, da die Menschen davon besonders unmittelbar betroffen seien. Bei einem zweitägigen Treffen in Caracas nahmen die Vertreter der 27 SELA-Mitgliedsstaaten neben den Regierungen auch die Privatwirtschaft und internationale Organisationen in die Pflicht.

Auch das World Food Program (WFP) betonte, dass die öffentlichkeit über das Problem der Unterernährung und ihre Folgen informiert werden müsse. Jaime Vallaure, stellvertretender Regionaldirektor, bezog sich dabei auf eine Untersuchung der Geschäftsstelle für Zentralamerika und die Karibik. Die Untersuchung ergab, dass mehr als anderthalb Millionen Kinder unter fünf Jahren in der Region an chronischer Unterernährung leiden. Für den stellvertretenden Direktor des WFP hat die Unterernährung in diesen Ländern strukturelle Ursachen und ist abgesehen von den Folgen von Naturkatastrophen sehr schwierig zu lösen.

In Haiti kündigte sich derweil bereits eine erneute Hungersnot an. Im vergangenen Jahr waren etwa vier Millionen Menschen wegen Überschwemmungen von einer akuten Nahrungsmittelkrise betroffen. Dieses Jahr droht wegen der derzeitigen Dürre die Lage ebenfalls dramatisch zu werden. Astrid Nissen, Büroleiterin der Diakonie Katastrophenhilfe in Haiti, beklagte, dass die staatlichen Strukturen in Haiti weiter nur mangelhaft funktionsfähig seien. Zwar sei die politische Lage relativ ruhig, doch könne von einem gefestigten und auf demokratischen Grundsätzen beruhenden System nicht die Rede sein.
Der Inselstaat Haiti und die Armutsproblematik stehen bei der diesjährigen Adveniat-Weihnachtsaktion im Mittelpunkt.

Text: leif