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Hunderte indigene Sprachen drohen zu verschwinden

Die Hälfte der rund 6.000 Sprachen, die auf der Erde gesprochen werden, ist nach Angaben der UNESCO vom Aussterben bedroht. In Lateinamerika könnten demzufolge Hunderte indigener Sprachen verschwinden - eine kulturelle Verarmung unvorstellbaren Ausmaßes. Der veranschlagte Zeitraum beträgt in einigen Fällen nur eine Generation.

Gründe seien Migration, Industrialisierung, das Eindringen Fremder in indigene Gebiete, die Integration in die Mehrheitskulturen, sowie die weit verbreitete Diskriminierung der Ureinwohner. All diese Negativtrends seien sogar im Wachsen begriffen.

Teils winzige Sprachgemeinschaften

Selbst eine Sprache wie das im Andenraum weit verbreitete Quechua – die am stärksten verwendete indigene Sprache in ganz Südamerika – könnte perspektivisch dem Untergang geweiht sein. Zu den bedrohten Sprachen zählen außerdem das in Argentinien und Chile gesprochene Mapuche, Garifuna in Honduras, Maya-K´iche in Guatemala, aber auch eine ganze Reihe von Dialekten im Amazonasgebiet.

Sie alle finden sich in einem UNESCO-Atlas der vom Aussterben bedrohten Sprachen der Welt. Oft sind die Gemeinschaften, die eine Sprache am Leben erhalten, sehr klein: Im Süden Costa Ricas sprechen ganze 57 Menschen Teribe – viele von ihnen Greise.

Kulturelle Identität

Die UNESCO ruft zum Schutz der bedrohten Sprachen auf und hebt die Anstrengungen der brasilianischen Regierung hervor, Hunderte indigener Sprachen im Amazonasgebiet zu katalogisieren. Die Muttersprache sei ein wichtiges Element kultureller Identität. Generell handele es sich bei Sprachen um entscheidende Faktoren für gesellschaftliche Entwicklung.

UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokowa hält die Unterrichtung in der Muttersprache für ein mächtiges Instrument im Kampf gegen Diskriminierung, und um an den Rand der Gesellschaft gedrängte Bevölkerungsgruppen zu erreichen.

Bilinguale Bildung fördern

In vielen lateinamerikanischen Ländern gibt es bilinguale Bildungsprogramme, etwa in Mexiko und in Peru. Kritiker bemängeln allerdings deren Unterfinanzierung, so dass nur bescheidene Erfolge zu verzeichnen seien. In Mexiko sprechen rund 10 Prozent der Bevölkerung eine indigene Sprache. 68 dieser Sprachen sowie 364 ihrer Dialekte drohen nach Regierungsangaben zu verschwinden. Yapaneco sprechen nur noch zwei Personen: Und bei diesen handelt es sich um Nachbarn, die seit einem Streit vor einigen Jahren kein Wort mehr miteinander wechseln.

Quelle: Noticias aliadas, deutsche Bearbeitung: Bernd Stößel