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Honduras: Feuer in Gefängnis mit über 350 Toten belegt chronische Probleme

Bei einem Gefängnisbrand sind in Honduras in der Nacht zum Mittwoch mindestens 350 Häftlinge ums Leben gekommen, so jüngste Angaben der nationalen Behörde für Gerichtsmedizin. Über 60 Menschen wurden teils schwer verletzt. Laut ersten Medienberichten unter Berufung auf die lokale Feuerwehr war das Feuer in der Strafanstalt der zentralhonduresischen Regionalhauptstadt Comayagua gegen 22.55 Uhr (Ortszeit) ausgebrochen. Die Zahl der Opfer erhöhte sich im Laufe des Tages. »Unseren Erkenntnissen zufolge sind rund 100 Personen an Verbrennungen und durch Erstickung ums Leben gekommen«, hatte Feuerwehr-Sprecher Josué García am frühen Mittwochmorgen gegenüber der Radiostation Impacto de Comayagua erklärt.. Gefängnis-Direktor Danilo Orellana sprach von »über 300 Toten«.

Laut Gefängnisverwaltung befanden sich zum Zeitpunkt des Feuers insgesamt 932 Insassen in der Haftanstalt, dessen Kapazität für nur 400 Personen ausgelegt ist. Rund 30 Brandopfer mit Verbrennungen dritten und vierten Grades wurden in das staatliche Krankenhaus Santa Teresa überführt, so Medienberichte, besonders kritische Fälle in das 80 Kilometer entfernte Hauptstadt-Hospital Escuela von Tegucigalpa.

Adveniat Mittelamerika-Referentin Elisabeth Freitag sieht das Unglück als Beleg für die extrem schlechten Haftbedingungen in dem mittelamerikanischen 7,3-Millionen-Einwohnerstaat, der mit 77 Morden pro 100.000 Einwohner eine der höchsten Raten weltweit verzeichnet. Die Straflosigkeit liege bei 99%, so die Länder-Expertin. Der staatliche Sicherheitssektor sei mehr als defizitär und das auf allen drei Ebenen: Justiz, Polizei und Strafvollzug. Die Zustände in den Gefängnissen seien katastrophal und eines demokratischen Rechtsstaates nicht würdig. Die chronischen Probleme menschenunwürdiger Haftbedingungen und extrem schlechter Gebäudesubstanz, bei mangelnden Räumlichkeiten, Hygieneeinrichtungen und Versorgung der Gefangenen schwelten schon lange, so die Soziologin.

2004 waren bei einem Gefängnisbrand in der zweitgrößten Stadt des Landes San Pedro Sula 107 Menschen ums Leben gekommen. 2003 wurden bei einem Aufstand im Gefängnis El Porvenir nahe der Karibikstadt La Ceiba 66 Insassen sowie drei Frauen auf Besuch von Gefängniswärtern erschossen.