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Homophobie wird Straftat

Schon 2011 sprachen sich Aktivistinnen und Aktivisten für das Gesetz aus (Foto: Adão de Souza)

Die LGBT-Gemeinde Brasiliens kann einen bemerkenswerten Erfolg verbuchen. Der Oberste Gerichtshof des größten südamerikanischen Landes hat am Donnerstag, 23. Mai 2019, entschieden, dass sowohl Homophobie als auch Transphobie in das Strafgesetzbuch aufgenommen werden müssen. Die Entscheidung fiel mit sechs zu fünf Stimmen. In dem Urteil der elf Richter der obersten juristischen Instanz des Staates hieß es, dass die Diskriminierung von Homosexuellen und Transsexuellen mit Rassismus gleichzusetzen sei.

Fortschrittliche Gesetzgebung

Die Entscheidung des Gerichtshofs kann auch als ein Ergebnis eines 20 Jahre langen Kampfes betrachtet werden. Denn so lange bemühen sich Aktivisten der LGBT-Gemeinde schon darum, die Diskrimierung als Straftat festzuschreiben. Brasilien verfügt zwar, im Zusammenhang mit Rechten für Schwule und Lesben, über eine der fortschrittlichsten Gesetzgebungen Lateinamerikas, doch der Alltag ist häufig von extremer Gewalt geprägt. Allein in diesem Jahr wurden 141 Homo- und Transsexuelle brutal ermordet. Die jüngste Entscheidung böte nun erstmals tatsächlichen Schutz, sagten Aktivisten gegenüber der BBC.

Ein wichtiges Zeichen

Auch der Vizepräsident des Obersten Gerichtshofs Luis Fux betont die Wichtigkeit dieser Entscheidung: „Homophobe Verbrechen spielen in derselben Liga wie physische Gewalt und die Diskriminierung hat ein epidemisches Maß angenommen“, betonte er. Trotz des Widerstandes der konservativen Kräfte in Brasilien werten internationale Medien das Urteil als wichtiges Zeichen. Dies gelte besonders vor dem Hintergrund der Haltung Jair Bolsonaros. Dieser hatte in seinem Wahlkampf Homosexualität als Krankheit bezeichnet, die es auszurotten gelte.

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