Argentinien |

Hommage an den Widerstand

Kleine Gedichte des Widerstands

Sie verschwieg, was sie wusste

Er hat sich nicht ausgeliefert. Rannte auf das Dach seines Hauses bis eine Kugel ihn traf

Sie öffnete die Türen ihres Hauses und versteckte einen verfolgten Jugendlichen

Er schrieb mit Kohle das Wort Freiheit an die Wand

Er kehrte an die Plaza zurück, seiner Angst die Stirn bietend

Er verteilte ein Flugblatt gegen die Diktatur auf den Toiletten der Fabrik. Er verteilte noch eins. Er verteilte noch eins. Eines Tages verweigerten sie ihm den Einlass in die Fabrik. Er verteilte seine Flugblätter auf der Toilette der Bar.

Sie wuchs ohne ihre Mama und ihren Papa auf. Sie wächst jeden Tag weiter. Sie lebt mit ihren Toten.

Er gab im Gefängnis Unterricht in Geschichte und Geographie. Der Lehrer lernte in diesen Mauern schreiben und lesen.

Sie schrieb Postkarten aus dem Exil mit den wenigen Informationen, die sie über ihr Land erhielt. Tausende Karten wurden ihre Art anzuklagen, das Band wieder herzustellen mit dem Land, das sie nicht zurückkehren ließ.

Er konfrontierte die ESMA mit einer Waffe und wenigen Kugeln. Er sackte in einer Ecke zusammen und wiederholte bis zum Schluss wenige Worte: Die Namen seiner Töchter.

Sie sang im Gefängnis um ihren Schmerz und ihre Angst zu besiegen. Sie sang im Chor mit ihren Freundinnen. Gefangen, aber frei, schmerzend, aber glücklich, während sie geschlagen wurden, damit sie still sind.

Sie ging bei einer der ersten Demonstrationen auf die Straße und rief trotz ihrer Furcht: Nieder mit der Diktatur!

Sie hat auf ihn gewartet, ihn gesucht, auf ihn gewartet, ihn gesucht und sie hört nicht auf zu warten.

Er schrieb Gedichte, um die flammenden Träume aufrecht zu erhalten.

Sie hat überlebt. Er hat überlebt. Und sie leisten bis heute Widerstand.

Heute treffen sich Tausende von ihnen an der Plaza de Mayo und demonstrieren für die Erinnerung, Wahrheit und Gerechtigkeit.

Klaudia Corol, 24. März 2010.

Übersetzung: Anna-Maria Jeske
Quelle:adital