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Hoffnung auf schnelle Agrarreform durch neuen Minister

Der neue Minister für Landwirtschaftliche Entwicklung Gilberto José Spier Vargas hat am 14. März sein Amt in Brasilien angetreten. „Präsidentin Dilma Rousseff hat mir zwei Ziele mit auf den Weg gegeben“, so Vargas nach seiner Vereidigung, “die Beschleunigung der Agrarreform und die Bekämpfung der Armut auf dem Land“. Er kritisierte die zögerliche Amtsführung seines Vorgängers Alfonso Florence. Vor allem bei der Verteilung von Land an landlose Familien wurde im vergangenen Jahr die niedrigste Quote seit 16 Jahren erreicht. Gerade einmal 22.000 Familien erhielten in 2011 Land. Florence wurde vor knapp zwei Wochen aus dem Amt entlassen

Auch die größte brasilianische Landlosenorganisation Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra (MST) hatte die langsame Umsetzung der Agrarreform bemängelt und einen kämpferischen roten April angekündigt. Der Monat gilt traditionell als einer der aktivsten in Bezug auf Landbesetzungen, die den Druck auf die Regierung erhöhen sollen, Landgüter zu enteignen und der Reform zur Verfügung zu stellen. Die Organisation erhofft sich nun schnellere Fortschritte bei der Landverteilung. „Die Präsidentin erkennt an, dass in 2011 nichts für die Agrarreform getan wurde. Wir hoffen, dass der neue Minister das ändern wird“, erläuterte Alexandre Conceição von der MST-Führung.

Weltweit ungerechteste Landverteilung

Die Landreform gilt bereits seit Jahren als eins der wichtigsten Vorhaben der brasilianischen Regierung. Die ungerechte Landverteilung in dem südamerikanischen Land ist immer wieder der Grund für Auseinandersetzungen zwischen der Landlosenbewegung und der Regierung. Die Großgrundbesitzer Brasiliens besitzen riesige Latifundien. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation KoBra besaß Mitte der 2000er Jahre ein Prozent der Bevölkerung Brasiliens 46 Prozent des Landes. 2003 nahm der ehemalige Präsident Lula die Reform der Besitzverhältnisse in sein Regierungsprogramm auf. Präsidentin Rouseff will das Vorhaben fortführen und setzt auf die Ausweitung der familiären Landwirtschaft. Der neue Minister für Landwirtschaftliche Entwicklung Vargas betonte, dass es allerdings nicht ausreiche, das Land lediglich neu zu verteilen. Man müsse auch die Infrastruktur der jeweiligen Regionen ausbauen. (aj)