Brasilien |

Höher, größer, heller...

Rio de Janeiro und São Paulo - zwei Städte die stets im Wettstreit miteinander Liegen. Wer hat den besseren Carnaval, die besten Fußballteams, die größte Lebensqualität? Meist gewinnt dabei die Stadt am Zuckerhut. Auch was den größeren Weihnachtsbaum angeht liegt Rio wieder mal vorne. Doch São Paulo hat dieses Jahr den Vorsprung um fünf Meter verkürzt.

"Heiße Weihnacht statt weiße Weihnacht" - die schönste Zeit des Jahres ist in Brasilien sowieso ganz anders als in europäischen Gefilden. Statt Tannenbäumen schmücken hier derzeit riesige Stahlmonster die beiden größten brasilianischen Städte. Stolze 240 Tonnen schwer ist São Paulos Weihnachtsbaum, der typisch für die Stadt auf einem Grünstreifen inmitten des chaotischen Verkehrs steht. Da haben Rios Cariocas die bessere Wahl getroffen - ihr Weihnachtsbaum schwimmt auf der Lagune Rodrigo de Freitas, vor malerischer Kulisse mitsamt der erleuchteten Christusstatue auf dem Corcovado-Berg.

Auch sonst ist Rios Weihnachtsbaum weit vorne. Ihn schmücken 52 Kilometer leuchtende Plastikschläuche, in São Paulo sind es lediglich 10 Kilometer. Und ganze 10 Meter Höhenunterschied trennen Rios 85 Meter von São Paulos Baumspitze. Immerhin ist dieser jetzt 75 Meter hoch, gegenüber den 70 von letztem Jahr. Ob São Paulos Stadtverwaltung dabei eine Strategie verfolgt irgendwann einmal Rio in Sachen Höhe zu überholen? "Das ist mir egal," meint ein vorbeieilender Bewohner São Paulos. "Hauptsache es kostet nicht zuviel unserer Steuergelder!" Auch das ist typisch für São Paulo.

Immerhin liegt São Paulo in einer heutzutage immer wichtiger werdenden Kategorie vorne: dem Stromverbrauch. Lediglich drei Generatoren sind nötig um die eine Million Lämpchen zum leuchten zu bringen. In Rio sind es doppelt so viele. Der Weihnachtsbaum unter dem Zuckerhut verbraucht in der Weihnachtszeit soviel Strom wie eine 300,000 Einwohner zählende Stadt in 5 Tagen. Während sich Kritiker über die augenscheinliche Stromverschwendung aufregen, genießen Rios Einwohner den wundervollen Blick auf den stets die Farben wechselnden Baum. São Paulos Einwohner, so meinen sie sowieso, seien halt Geizhälse die niemals gelernt hätten das Leben sorgenfrei zu genießen. Nicht mal zur Weihnachtszeit.

Autor: Thomas Milz