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Hintergrundbericht Grenada: Kleine Insel - große Schulden

Die Regierung des Inselstaates Grenada in der Karibik hat im März 2013 aufgehört, Kreditrückzahlungen an Gläubiger zu leisten. Der Schuldenberg des knapp 100.000 Einwohner zählenden Staates liegt bei 300 Prozent der jährlichen Exporteinnahmen. Verschuldet ist Grenada zu je rund 40 Prozent bei den Käufern seiner öffentlichen Anleihen und bei multilateralen Entwicklungsbanken, darunter der Karibischen Entwicklungsbank, der Interamerikanischen Entwicklungsbank und der Weltbank, sowie schließlich auch beim IWF. Der verbleibende Teil ist verschiedenen Regierungen geschuldet, die wichtigsten dabei sind Taiwan, Kuwait und das ölreiche Nachbarland Trinidad & Tobago. Da es kein geregeltes Verfahren für Verhandlungen mit allen seinen Gläubigern gibt, muss die Regierung, deren Finanzministerium weniger Kapazitäten hat als der Kämmerer einer mittleren deutschen Großstadt, gesondert mit allen Gläubigern verhandeln.

Die von Adveniat unterstützte Entschuldungskampagne „Erlaßjahr“ hat zu den Vorgängen nun ein Hintergrundpapier veröffentlicht. Es handelt von der Zivilgesellschaft, die für ein Erlaßjahr und damit für eine Chance auf einen Neuanfang für Grenada kämpft. Adveniat fördert mit Projekten die Akteure in Grenada, sich zu artikulieren. Somit handelt das Papier auch vom Stand der Diskussion um die konkreten Lösungsoptionen in Grenada, für die erlassjahr.de schon seit geraumer Zeit plädiert: eine unabhängige Schuldentragfähigkeitsanalyse und eine Einbeziehung aller Gläubiger in einem Verfahren, welches von unabhängigen Instanzen geleitet wird. Sollte es dazu kommen, ist Grenada ein Präzedenzfall mit Modellcharakter.

PDF: <media 11129>"Grenada: Kleine Insel - große Schulden, und die Chance auf einen Neuanfang"</media>