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Hilfswerke kritisieren Ausgang des Klimagipfels

Mit Enttäuschung und teils scharfer Kritik haben kirchliche Hilfsorganisationen auf den Ausgang der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen reagiert. Mit der Vereinbarung werde "die Menschheit für dumm verkauft", erklärte Anika Schroeder, die Referentin für Klimawandel des Bischöflichen Hilfswerks Misereor, am Samstag am Tagungsort.

Zwar werde angekündigt, die globale Erwärmung auf zwei Grad begrenzen zu wollen. Aber die Vereinbarung lege "keine ausreichenden Reduktionsziele vor, und es fehle an Verbindlichkeit". So nähmen die Regierenden eine Erwärmung von bis zu 3,5 Grad in Kauf. "Es ist haarsträubend zu sehen, dass die Industrienationen nach vielen Jahren der Vorbereitung nun behaupten, sie bräuchten noch Zeit", sagte Schroeder. "Ich zweifele daran, dass überhaupt ein politischer Wille zum Handeln vorhanden ist."

"Die internationale Klimapolitik steht vor einem Scherbenhaufen", beklagten auch die evangelischen Hilfswerke Brot für die Welt, Evangelischer Entwicklungsdienst und Diakonie Katastrophenhilfe. Das Ergebnis verfehle das Ziel, die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius zu begrenzen. Deshalb seien Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die anderen Regierungschefs ihrer "historischen Verantwortung nicht gerecht geworden".

Der Gipfel sei nicht erst in Kopenhagen, sondern bereits auf dem Weg dorthin gescheitert, meinte die "Brot für die Welt"-Direktorin Cornelia Füllkrug-Weitzel. Die EU und auch Deutschland hätten "zu lange taktiert, um die Kosten niedrig zu halten und den Entwicklungsländern jedes Vertrauen genommen". Damit habe die EU jenen in die Hände gespielt, die "von Anfang an nicht an einem ambitionierten, fairen und verbindlichen Abkommen interessiert waren, zum Beispiel China", so Füllkrug-Weitzel.

Am späten Freitagabend war die UN-Klimakonferenz mit einem Minimalkonsens zu Ende gegangen. Nach langen, zähen Verhandlungen einigten sich die versammelten Staaten darauf, dass Industrie- und Schwellenländer nicht rechtlich verbindlich ihre Treibhausgasemissionen reduzieren sollten. Diese freiwilligen Zusagen sollen in einem Anhang des "Copehagen Accord" aufgelistet werden. Eine langfristige Zielsetzung bis 2050 fehlt in dem Abkommen. Für die Bekämpfung der Folgeschäden des Klimawandels in den Ländern des Südens sollen von 2010 bis 2012 insgesamt 30 Milliarden Dollar aufgebracht werden. Ab 2020 sollen für diese Zwecke jährlich bis zu 100 Milliarden Dollar aus öffentlichen und privaten Mitteln fließen. Die Schwellenländer haben sich auch erfolgreich gegen eine verpflichtende internationale Überprüfung ihrer Emissionen gesperrt.

Das Abkommen wurde am Samstag gegen Mittag durch die Vollversammlung der Staaten "zur Kenntnis genommen". Lumumba Di-Aping, Vertreter des Sudan und Sprecher der Gruppe der Entwicklungsländer, bezeichnete den Deal als "die schlimmste Entwicklung, die es je bei Klimaverhandlungen gegeben hat". Er sei "gegen die Armen und gegen den gesunden Menschenverstand" gerichtet und verdamme die "Armen zur ewigen Armut, weil er ihnen das Recht auf Entwicklung raube". Er kündigte an, sein Land und weitere afrikanische Staaten wollten den Kompromiss ablehnen.

Im Plenum hatten vor der Entscheidung neben Vertretern aus Gewerkschaften, der Jugend und indigener Völker auch die Religionsgemeinschaften an die Politik appelliert, sich zu einigen. Christian Friss-Bach von der Hilfsorganisation "Christian Aid" beklagte, die Menschheit habe lange die "Alarmglocken nicht gehört". Jetzt forderten auch gläubige Menschen, dass die globale Gemeinschaft sich auf einer Basis von Gerechtigkeit, Solidarität und Liebe zusammenfinde: "Habt eine Angst, handelt jetzt!", hatte er den Delegierten zugerufen, bevor sie sich zu ihren Beratungen zurückzogen.

Quelle: kna