Haiti |

Hilfe läuft an

In Haiti sind bei einem schweren Erdbeben vermutlich Hunderte Menschen ums Leben gekommen. Das Beben mit dem Epizentrum in den Bergen oberhalb der Hauptstadt Port-au-Prince hatte sich am Dienstagnachmittag (Ortszeit) ereignet; es hatte eine Stärke von 7,0. Die Bundesregierung und deutsche Hilfswerke stellten am Mittwoch erste Gelder für eine Soforthilfe bereit.

Nach Angaben des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat handelt es sich um das schwerste Erdbeben auf der Insel seit Menschengedenken. Der langjährige Adveniat-Länderreferent Michael Huhn sagte der "Katholischen Nachrichten-Agentur" (KNA), in der Hauptstadt seien viele Häuser eingestürzt, darunter der Präsidentenpalast und mehrere Ministerien. Viele Häuser seien mit Beton-Ständerbauweise errichtet.

Die Bundesregierung stellte eine Million Euro für Soforthilfe bereit und berief einen Krisenstab. Damit unterstütze das Auswärtige Amt humanitäre Soforthilfe für die Notversorgung der Opfer, sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) am Mittwoch im Bundeskabinett. Er bot der Regierung Haitis "jede mögliche Hilfe" an. Der Krisenstab solle auch prüfen, ob Deutsche unter den Opfern sind.

Westerwelle telefonierte am Morgen mit dem deutschen Botschafter in Port-au-Prince und zeigte sich danach bestürzt über das sich abzeichnende Ausmaß der Katastrophe. Das Mitgefühl der Deutschen gelte den Opfern und ihren Angehörigen.

Offizielle Angaben über Tote und Verletzte gibt es noch nicht; zahlreiche Menschen sind verschüttet. Das Telefonnetz ist zusammengebrochen. Huhn sagte, Rettungsmaßnahmen seien äußerst schwierig, da das verarmte Land kaum über Raumgerät verfüge und es auch kaum Infrastruktur wie geteerte Straßen gebe. Adveniat stellte der haitianischen Bischofskonferenz 20.000 Euro zur Verfügung.

Mitarbeiter der Welthungerhilfe berichteten von zahllosen Leichen, die sie auf den Straßen der Hauptstadt gesehen haben. Es sei zu befürchten, dass es vor allem in den dicht besiedelten Armengebieten viele Opfer gegeben hat. Die Welthungerhilfe kündigte an, umgehend ein Nothilfeteam in die betroffene Region zu schicken, um die Hilfsaktion zu koordinieren. Auch die Weltbank sagte umgehend finanzielle Unterstützung und Hilfe beim Wiederaufbau zu. UN-Generalssekretär Ban Ki Moon sagte, er verfolge die Geschehnisse aufmerksam. Der UN-Untergeneralsekretär für friedenserhaltende Maßnahmen, Alain Le Roy sagte, die Kommunikationswege seien weitgehend unterbrochen.

Die Hilfsorganisation World Vision berichtete zudem von blockierten Straßen und Nachbeben. Die Hilfe vor Ort sei deswegen erschwert. Ein Erbeben dieser Stärke sei überall auf der Welt besorgniserregend, sagte der USA-Hilfskoordinator von World Vision, Edward Brown. Es sei aber auf Haiti besonders verheerend, weil die Menschen ohnehin schon unter schlechter Infrastruktur und Armut litten.

Haiti ist mit seinen acht Millionen Einwohnern das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. 80 Prozent der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze, 75 Prozent aller Kinder leiden unter chronischer Unterernährung. Nach dem Human Development Index 2009 liegt der karibische Staat auf Platz 149 von insgesamt 182 Ländern. Die seit Jahrzehnten instabile politische Lage und die prekäre wirtschaftliche Situation des Landes, die fortgeschrittene Umweltzerstörung und Überbevölkerung haben zur Verelendung eines großen Teils der Bevölkerung geführt.

Quelle: kna